bierdeckel

die fragen kamen unvermittelt, und das mit der wucht eines vorschlaghammers: „wieso machst du das, was du tust? zu welchem zweck? welches ziel verfolgst du damit?“
ok, ich gebe zu: für einen kurzen augenblick wollte ich auf die altbekannte, eingespurte, von der großen masse befahrene antwort-autobahn abbiegen und meinem gegenüber die aus seiner sicht richtigen antworten geben: „weil es meine begabung und meine berufung ist und weil ich dadurch anderen dienen kann“.
die worthülsen zerplatzten noch in meinem kopf.
„weil es mir dermaßen bock macht“, gab ich stattdessen zur antwort. „ich schreibe für mein leben gern, produziere filme und es gibt nichts schöneres, wenn der flow mich auf die wellenspitze setzt und hinaus auf den kreativen ozean bläst.“
gespräch beendet. und nur deshalb, weil ich die wahrheit sagte. was lernen wir daraus? wahrheit befreit – auch von solchen typen 🙂
im ernst, wenn ich alle gespräche, die ich im lauf der jahre über gabenfindung, begabung, fähigkeiten entdecken, lebenssinn aufspüren, gabenteste beschummeln und gabenorientiertes dasein genießen usw. auflistete, würde ein siebenbändiges fantasywerk den büchermarkt bereichern. sieben bände, so wie bei harry potter. ähnlich fantastisch, ähnlich frustrierend, (mindestens) genauso gefährlich und dazwischen der ewige kampf zwischen gut und böse.
passt.
„herausfinden, welche begabung man hat“… – das ist schon ein widerspruch in sich selbst. wer eine begabung HAT, kennt diese. wer sich eine weitere begabung ANEIGNEN möchte, muss zeit investieren. und zeit. und noch mehr zeit. malen ohne tägliche übungen? vergiss es. schreiben ohne bücher zu lieben? never. eine model-karriere, nur weil du einen schmollmund ziehen kannst und für das pic auf instagram vierzig minuten geprobt hast? du fällst in ein tiefes loch, sobald die likes ausbleiben. model-karriere am arsch? nö. sie hat noch gar nicht begonnen.
nachdem der typ mit den vorschlaghammer-fragen sich verabschiedet hatte, kritzelte ich auf einen versüfften bierdeckel mein leben ins quadrat. dort steht jetzt tatsächlich „schreiben“ und „vloggen“. und nicht „mit meinen gaben dies oder jenes erzielen/erreichen, damit menschen ins reich der himmel kommen, die ewigkeit erleben usw.“
weil: es geht ums vorhandenSEIN von begabungen, nicht über das WARUM unserer grundausstattung.
viel zu oft werden heimliche wünsche fromm überpinselt. kleines beispiel aus dem siebenbändigen begabungswerk: „ich lerne surfen, gehe nach hawaii, um dort den menschen von jesus zu erzählen“. kein witz.
warum nicht bei der wahrheit bleiben? also davon schwärmen, wie cool surfen tatsächlich ist; die wellen, das wetter, das überwinden der schwerkraft.
ob sanitäter im rettungswagen, kassiererin bei edeka, surflehrer auf hawaii oder feuerwehrfrau in münchen: all das ist die umsetzung dessen, was auf DEINEM bierdeckel steht. gibt es zwischen gelebtem alltag und deinem statement auf dem bierdeckel unterschiede, wäre jetzt die zeit für veränderungen.
was jesus betrifft… vermutlich spielt für ihn die umsetzung deiner begabung eine untergeordnete rolle. viel wichtiger ist doch, den glauben nicht vom alltag zu trennen. begabungen können und dürfen sich ändern. dafür haben wir ein leben zur verfügung: neues ausprobieren, grenzen testen, lernen und arbeiten. fromme begründungen sind hierfür nicht notwendig. hauptsache, das fundament stimmt.
in diesem sinne: frohe ostern.

Comments

Leave your comments

  • April 17, 2017at10:57 PM

    Danke thomas!!!
    Deine texte zu lesen und vlogs zu sehen fühlt sich einfach gut an, echt, ehrlich, authentisch, befreiend!
    Schön dass es dich neben dem ganzen christlichem bling bling und immer größer…immer mehr …immer spektakülärer gibt. eIner der vom leben spricht.von dem leben wie uwir es auch erleben!! dAs tut uns gut!
    Danke! Mach weiter! Genau so! Du bist ein segen!
    Hab deinen bildband in einer physiopraxis liegen sehen…super!!
    Frohe ostern 😉
    LG die hille 

LEAVE A COMMENT