Publishing Award

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Noch 26 Tage bis zum Einsendeschluss. Fast vier Wochen, um „Freiheit für Peggy Brown“ zu bewerten, für gut zu befinden, liken, pushen und was es sonst noch so alles gibt. Rezensieren zum Beispiel. Direkt bei Amazon.  In den Teilnahmebedingungen Kindle Storyteller Award 2015 steht unter anderem:

Nach Ablauf der Einreichungsfrist bis 15. September 2015 wird jedes Buch auf der Grundlage seiner Beliebtheit bei Kunden (wie beispielsweise Verkäufe oder Bewertungen) bewertet und es werden fünf Finalisten (jeder ein “Finalist”) ausgewählt.

Eine solche Formulierung birgt immer die Gefahr von Scheinwertungen. So läuft das eben.

Doch darauf kann ich verzichten. Bitte keine Scheinwertungen. „Darauf ist geschissen“, würde Peggy sagen. Und dem kann ich mich nur anschließen. Also, lest das Buch; kauft´s. Bewertet´s. Oder nicht. Alles, bloß kein Fake.

Es wird konkret

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Zum ersten Mal ausgedruckt. Sechshundertachtundsiebzig Seiten. Freiheit für Peggy Brown in der unvollendeten, ungekürzten Rohdiamant-Fassung. Stephen King schlägt in seinen Memoiren die „Zehn-Prozent-Methode” vor. Streichen, töten, eliminieren. Er muss es wissen… also, es gibt viel zu tun. Schließlich soll das Werk noch in diesem Monat veröffentlicht werden. Rechtzeitig. Die Abgabefrist vom Selfpublishing Award 2015 (Amazon & Focus) rückt näher.

wieder daheim

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Der Blue-Motion-Trip ist zu Ende. Ein paar Wochen durch Europas Süden gefahren, geschrieben, gefilmt und fotografiert. Ich will nicht behaupten, dass ich meinen Boliden bis ins Kleinste beherrsche. Aber er hat mir das „du“ angeboten. In diesem kurzen Zeitraum ist das ohne Frage als Erfolg zu bewerten.

Die Zeit hinter dem Lenkrad ist vorerst passé. Ich habe den Fahrersitz im Bus verlassen und hocke auf meinem Drehstuhl im Atelier. Die Ideen im Notizbuch schreien nach Umsetzung. Sollen sie brüllen. In den kommenden Tagen kümmere ich mich ausschließlich um die kaum noch für möglich gehaltene Erfüllung meines Traumes.

Fünf in drei

 

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Unmittelbar vor Sonnenuntergang wird´s im Freien richtig schmerzhaft. Unsichtbar fiese Stechmücken landen auf unbedeckten Körperteilen, zapfen Blut an und lassen sich hemmungslos volllaufen. Dagegen hilft entweder die chemische Keule oder ein geordneter Rückzug. Ich habe mich (nicht nur aus diesem Grund) für den Eintritt in andere Zeiten und Welten entschieden: Fünf Bücher in drei Wochen, im sechsten hänge ich (noch) fest.

  1. Austin Kleon: „show your work!“ Kleon begründet hier, warum es aus seiner Sicht und Erfahrung für Künstler notwendig und hilfreich ist, die Außenwelt am Entwicklungsprozess des eigenen Schaffens teilhaben zu lassen. Kurzweilig geschrieben, viele Grafiken und Fotos, gute Gedankenanstösse.
  2. Kerstin Decker: „Lou Andreas – Salome. Der bittersüße Funken Ich.“ Eine Biographie über die wohl intelligenteste Frau des jungen zwanzigsten Jahrhunderts. Sie schrieb Bücher über Nietzsche und Rilke, diskutierte mit bedeutenden Philosophen, setzte Freud in Erstaunen, wählte sich ihre Liebhaber selbst und nahm den Heiratsantrag vom Orientalisten Carl Andreas nur unter der Bedingung an, nie das Bett mit ihm teilen zu müssen.
  3. T.C. Boyle: „Ein Freund der Erde.“ Im Jahr 2025 hat der Treibhauseffekt zugeschlagen, im Loiretal wird kein Wein, sondern Reis angebaut, die meisten Säugetiere sind ausgestorben und das Essen ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Ty Tierwater, in den 80ern militanter Ökoaktivist, kümmert sich als jetzt 75jähriger um ein paar verwahrloste Tiere. Unangemeldet und schon lange aus seinem Gedächtnis gestrichen, taucht die Exfrau auf und schon ist es mit der Ruhe vorbei. Erinnerungen an seine verstorbene Tochter, die Sorge um das Weiterleben in einer verwüsteten und zerstörten Welt und Tierwaters Umgang mit den altersbedingten Ausfällen werden gnadenlos gut erzählt.
  4. Oliver Sacks: „On the Move – Mein Leben.“ Ob Oliver Sacks der vielgerühmte „berühmteste Neurologe der Welt“ ist, kann ich nicht überprüfen. Dass es ihm aber spielend gelingt, schwierige Themen so zu präsentieren, dass das Lesen für Nichtmediziner spannend-verständlich ist, steht fest. Bücher wie „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ sind absolute Klassiker. Jetzt hat der 1933 in London geborene Professor für Neurologie und Psychiatrie seine Biographie verfasst. Eine großartige Erzählung, keine Schattenseiten auslassend, voller Tatendrang und immer auf der Suche nach dem Unerforschten.
  5. Die Bibel: „Johannesevangelium.“ Oft gelesen, immer wieder Neues entdeckt, in die Welt des Neuen Testaments abgetaucht, Jesus begleitet, seine klare Haltung bestaunt, mir manchmal seinen Mut gewünscht. Und immer noch viel zu viele Fragen unbeantwortet…

Schlafzimmerblick

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Das ist  mein ganz persönlich-privater Schlafzimmerblick. Liegend, den Kopf leicht angehoben, minimal über dem Kissen schwebend. Was man glücklicherweise auf der Aufnahme nicht erkennen kann, ist mein Gesichtsausdruck. Ich bin genervt, frustriert und ziemlich verschlafen – und das liegt nicht am grellen Sonnenschein, der sich durch die Lamellenritzen seinen Zugang ins Schlafzimmer verschafft. Vielmehr, genau genommen eigentlich doch. Denn für jemand, der geplant hat, den SonnenAUFGANG am Meer zu fotografieren, ist es eindeutig zu hell. Entweder hat mich die Sonne gelinkt und ihr Wasserbett absichtlich zwei Stunden früher als vorgesehen verlassen oder es lag am Bett. An der Decke. Der Hitze. Den Batterien im Wecker.

Es hilft alles nichts, dieses Vorhaben kann ich heute vergessen. Ich taste nach der Kamera, spiele an Knöpfen, drehe an Rädchen und drücke den Auslöser. Der Bolide darf ausnahmsweise im Bett bleiben und ich mache das einzig Richtige…

Drei Stunden später checke ich die Aufnahmen. Nicht schlecht. So wie´s ausschaut, beherrsche ich den Boliden bereits im (Halb-)Schlaf.

Blaue Stunde in Grün

Fährtensucher

Fährt man die kurvige Landstraße von San Rafael del Rio in Richtung El Pas, kann man in der Ferne eine Hügelkette erkennen, die sich wie ausgetretene Treppenstufen in die Höhe schiebt. Die Berge haben keinen Namen, zumindest sind die auf meiner Karte nicht verewigt; mein Navi tut sich ebenfalls schwer und verweigert die Auskunft. Immerhin die Meterzahl ist an der höchsten Stelle angegeben: 372 Meter über dem Meer. Dahin will ich. Von dort aus das Meer sehen. Der Blauen Stunde Gesellschaft leisten; zuhören, wie der Tag der Nacht Bericht erstattet. Klingt abgefahren, ist aber tatsächlich so.

Meine derzeitigen Lieblingsverse aus der Bibel stehen in Psalm 19:

„Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes… es fließt die Rede Tag für Tag. Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre.“

Das ist Poesie bis zum Anschlag. Tausende Jahre alt. Vielleicht saß der Schreiber dieser Zeilen auch auf einem Bergrücken, hörte während der Blauen Stunde Gemurmel aus den Tiefen des Himmels; Worte, die man nur dann… nur zu ganz bestimmten Zeiten hören kann, hören darf. Mir ist das einen Versuch Wert. Die Blaue Stunde. Das bisschen Zeit nach Sonnenuntergang, solange, bis die Dunkelheit nicht mehr mit sich reden lässt und das Kommando übernimmt. Das bisschen Zeit, in der das Meer die Farbe des Himmels aufsaugt und die beiden sich in einem diffusen Blau vereinigen. Aber noch ist es nicht soweit.

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hitzeschlacht

zwanzig kilometer stopp & go. genau genommen mehr stopp als go. dazu fast sechsunddreißig grad und ein defektes navi. uns bleibt nichts anderes übrig, als den kompletten stau abzugreifen. lauwarme pepsi light und ein fauliger apfel müssen als notration herhalten. aber irgendwann wird es kommen – das goldene “m” – erhaben und stolz auf dem schlanken eisenmast trohnend, wie eine fata morgana irr flirrend vom überhitzenden himmel strahlen. dann geht’s rechts raus. dann gibt’s kalte cola, und einen eiskaffee und den mozarella-wrap. und noch eine cola. und noch eine. freundliche servicekräfte werden uns in empfang nehmen. jeden wunsch von den augen ablesen. den weg zum blitzsauberen wc weisen. uns alles gute wünschen.  

fiebrige träume am rande des hitzewahns.