zweifel„Es macht mich wahnsinnig.“

„Was?“

„Die Kriege, die Flüchtlinge, das Leid, die Pornos im Internet, einfach alles. Und es wird immer schlimmer.“

„Was wird schlimmer?“

„Mann! Willst du das wirklich wissen?“

„Sag´s du mir.“

„Ach vergiss es.“

„OK, dann…“

„Ist doch sowieso egal. Also, pass auf, ich zweifel an Gott, Mann. Wenn ich schon den ganzen Mist nicht mehr ignorieren kann – und ich geh echt drauf dabei – kann dann Gott nicht endlich mal was machen, oder? Ich… also ich pack das nicht mehr. Ich meine, wieso ist denn alles so wie´s ist und ich sag noch „Gott, wirst du, wenn du schon in der Welt nicht klarkommst, mit meinem bisschen Leben klarkommen?“ und ich so „na da werde ich wohl nichts von ihm hören“ vielleicht ist es auch so, dass…“

„…jetzt mal…“

„Ständig unterbrichst du mich. Und komm mir jetzt nicht mit mehr beten, mehr singen und so´n Zeug. Ist das klar?“

„Ich wollte…“

„Siehst du, schon wieder. Und ich sagte: Keine blöden Ratschläge!“

„…sagen…“

„Wasss?“

„…dass sich deine Zweifel nicht in Luft auflösen. Vielleicht für ein paar Minuten, aber dann sind sie wieder da.“

„?!?“

„durch mehr beten und so.“

Großes Problem.
Wir können Zweifel eine Zeit lang ignorieren, mit ihnen diskutieren und sie in Schach halten. Doch dann schleichen sie sich mitten in der Nacht wie eine SEK-Sondereinheit in unseren Verstand und machen das Licht an. Überall hocken die drecks Zweifel-Fratzen. Da bleibt dann nur noch die Flucht in den Panic-Room.

Trotzdem gibt´s einen Weg aus dem Dilemma:
niemals ignorieren.
niemals weglächeln.
sondern: drüber reden.

Dem angeblich Verbotenen,
dem angeblich Ungeheuerlichen,
dem angeblich Angeblichen
das Messer in Ballonhülle rammen.

Jedesmal, wenn wir drüber reden, ist das ein weiterer Stich in die aufgeblasene Zweifelfratze.
Keine hat keiner.
Auch die, die behaupten, ein „zweifelfreies Gotteskind“ zu sein. Abwarten Genossen, die SEK-Sonderheit hat euch schon im Visier. Gleicht geht das Licht an…

Also: reden wir drüber.
Bevor uns alles um die Ohren fliegt.

die kleine frau

harley - klein

Ich traf eine kleine Frau, an einem Dienstagnachmittag.

Sie schwebte durch die langen Flure und ihr Blick hing an der Decke. Sie interessierte sich für nichts. Scheinbar. Plötzlich zuckte sie wie nach einem Stromschlag, verfing sich mit ihren Augen in meinem T-Shirt und schrie: „Echt? Du? Sag mir bitte: Wie ist das auf einer Harley?“

Ich trug mein graues Harley-Davidson-T-Shirt. Ich habe keine Maschine und ich bin auch nicht tätowiert. Dafür träume ich davon, eines Tages die Garage zu öffnen und mit einem leichten Druck auf den Starterknopf das Brummen des satten Sound einer V-Rod-Muscle zu hören.

Sie trug eine Jeansjacke, hatte lange blonde Dreadlocks und blaue Augen, aus denen die Sehnsucht nach Freiheit tropfte.

„Ich habe keine Harley“, sagte ich. Ein paar Meter weiter glotzten vier oder fünf Klinikbesucher in unsere Richtung.

„Du hast keine Harley? Bist du deswegen traurig?“
Ich schwieg. Die anderen im Raum warteten alle auf meine Antwort.
„Du trägst doch so ein T-Shirt“. Die kleine Frau lachte. „Pass auf, ich kann nicht fahren, weil ich bin zu klein dafür!“ Sie ging in die Hocke, streckte ihre Arme wie ein Orang Utan in die Luft, um sich an einem unsichtbaren Lenker festzuhalten. Mit ihrer rechten Faust schien sie zu beschleunigen. Ihre Faust drehte sich von oben nach unten. Immer wieder.

„Verstehst du, ich bin zu klein dafür. Viel zu klein. Einssechzig. Kann nie Harley fahren.“

Ich hockte in einem Ledersessel, vielleicht war das der Grund dafür, dass ich mir über die Größe der kleinen Frau keine Gedanken machte. „Es gibt auch kleinere Maschinen“, antwortete ich halbherzig. Sie starrte mich an. „Du meinst, es gibt so kleine Harleys, auf denen ich bequem sitzen kann? Und was ist, wenn ich an eine Ampel komme und anhalten muss? Dann kippe ich um und das Motorrad begräbt mich unter sich. Das ist nicht witzig, glaub mir.“

Ich nickte; warum, weiß ich auch nicht. Sie wischte sich einen Dreadlockhaarstrang aus ihrem Gesicht. „Warum holst du dir keine? Du bist nicht zu klein dafür!“ Sie lehnte sich gegen den schwarzen Sessel und durchbohrte mich mit ihren blauen Sehnsuchtsaugen. „Kein Geld, muss darauf sparen“, stotterte ich.

Das war definitiv keine gute Antwort. Doch mich verwirrten die anderen, die ihre Gespräche zwischenzeitlich komplett eingestellt hatten und sich unverholen neugierig an unseren Wünschen und Grenzen labten.

„Ich schon“, unterbrach sie meine Gedanken und zupfte an ihren Dreadlocks. „Und selbst wenn ich keine Kohle dafür hätte, würde ich mir überlegen, wie ich das hinkriege. Das Leben ist doch sonst bedeutungslos.“

Der Kommentar klang eigenartig., aber irgendwie hatte sie recht. „Du meinst“, antwortete ich ihr und streckte meine Beine aus. Jetzt war ich es, der auf einer unsichtbaren Harley Platz genommen hatte. „Du meinst, das Leben gewinnt an Bedeutung, wenn unsereiner weniger träumt und dafür anfängt, konkret für die Umsetzung zu sorgen?“ Sie schwieg.
„Im Prinzip betrifft das alle Träume, nicht nur die vom Motorradfahren,“ sagte ich in Richtung der Gaffer.

„Junge, du begreifst schnell“, flüsterte die kleine Frau, erhob sich und begab sich erneut in die Orang-Utan-Position. Sie fuhr über eine kurvige Landstraße.
„Bedeutungslos, wie ich schon sagte. Manchmal ist viel zu wenig Bedeutung in den Dingen, die wir tun und es wäre besser, das zu tun, von dem wir träumen.“

Das klang mir zu sehr nach „Lebe deinen Traum“ und diesen Scheiß. Immerhin hockten wir in einer Klinik und warteten auf unsere Sprechstunde. Dementsprechend ruppig klang meine „das ist doch viel zu banal es gibt zu viele Hindernisse und wir müssen mit den Gegebenheiten leben lernen verstehst du was ich meine?“ – Antwort.

„Ach?“ grinste die kleine Frau. „Kann ich mich um einen Zentimeter wachsen lassen? Gibt es Tabletten, die meine Größe auf die erforderliche Harleygröße pushen? Solltest du von solchen Hindernissen reden, gebe ich dir recht. Aber alles andere…“

Wir schwiegen. Die kleine Frau warf ihre Dreadlocks auf den Rücken und stellte das unsichtbare Motorrad auf den Seitenständer. „Freut mich, deine Bekanntschaft gemacht zu haben, Harley“, sagete sie, hob die Hand und ging ohne sich umzudrehen einen der langen Flure in Richtung Ausgang.

Wir sind uns nie wieder begegnet.

raketengrab

Sternenglanz -klein

 

kein haiku, ich weiß. aber wenn man „zufällig“ im eigenen garten abgebrannte raketenstöckchen findet, dann darf ein haiku, das keines ist, auch eines sein. ausnahmsweise.

der sternenflug einer silvesterrakete dauert ein paar sekunden. einige „oohs“ und „aahs“ und das war´s dann. nächste rakete.
das ausgebrannte teil segelt zurück in richtung erde, wird entsorgt oder einfach liegengelassen.

im garten stolperte ich über die reste einer ausgebrannten silvesterrakete. zwischen kompost und holzstoss hatte sie sich seinerzeit in den weichen erdboden gebohrt. ein silvesterraketengrab sozusagen.
da könnte man wollte denn…  an den langen haaren der unstimmigkeit fix eine brücke ins reale leben bauen. im sinne von „manche leben verglühen halt so schnell“ oder „hoch hinauf und tiefer fall“…  oder wie wäre das hier: „gerade noch knietief im kompost, doch mit jesus bist du immer am glänzen und glühen…“.
phönix aus der asche quasi.

egal welche übertragung… sie sind alle schlecht. natürlich gibt´s sternchen im showbiz, die schneller verglühen als ihnen lieb ist. jeder kennt DSDSVOICEGNTMTALENT-beispiele. passiert.

eines allerdings stimmt ohne wenn und aber: bei jesus ist weder das sternchen vergessen noch der typ, der sein leben vor die wand gefahren hat. nicht vergessen bedeutet: jesus weiß, wo wir runtergekommen sind. er kennt die gründe dafür, weiß von unserer schmerzhaften landung und dem gestank, den unsere umgebung fabriziert. das ist der unterschied.
das.
nicht die grandiose rückführung hinauf an den sternenhimmel.

„ich bin bei dir“ bedeutet: “mir macht der gestank nichts aus und dass die anderen über dich ablästern, interessiert mich auch nicht. ich bleibe.“
so etwas, bei allem respekt, ist mir tatsächlich viel mehr wert als eine nächste runde glitzern vor dem nächsten freien fall. lieber einen gott, der bleibt und aushält als einen, der einen zweiten (letzten) zündvorgang ermöglicht und sich dann vom acker macht.

Alles

Alles

 

„Denn was hilft´s dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert?“
Niemand kann behaupten, dass Jesus um den heißen Brei redet. Oder geredet hat. Alles gewinnen im Hier und Jetzt hat durchaus seine Reize. Laut Jesus ist jedoch weder eine Aktienspürnase noch Immobilien ohne Ende die Garantie dafür, um in den Himmel zu kommen.
Das eröffnet natürlich ganz neue Perspektiven für Menschen, die nicht viel oder gerade genug zum Leben haben. Nicht Reichtum ist entscheidend für den Himmel, sondern Glaube, Vertrauen und die Bereitschaft, seinen
(Lebens-) Weg dem Sohn Gottes anzuvertrauen.

Filmreif

Hauch von Morgen

Es ist ja nicht so, dass sich unsereiner die/das Sorgen herbeisehnt. Die kommen ungefragt und lassen sich nur schwer vertreiben.

Da lebt man einigermaßen passabel im Heute und doch reicht ein kleiner Gedanke an die Zukunft aus, um im Jetzt für Chaos zu sorgen. Dieser Hauch von morgen produziert ein Durcheinander und das emotionale Chaos. So ist das.
Klar, Jesus gibt eindeutige Hinweise, um nicht durchzudrehen. „Beobachtet die Vögel“, fordert er unter anderem auf. Doch wer macht denn so etwas im Angesicht einer handfesten Zukunftskrise?!? Wer lässt sich auf einen solchen Deal ein? Korrekt, niemand. Oder: So gut wie keiner.

Schade eigentlich, denn gerade deshalb wird aus einem „Hauch von morgen“ eine fette Wolke eine Riesenwelle ein Tsunami. Und eine verzagte Seele durchleidet die nächste schlaflose Nacht den panischen Rückzug den Gang über verbrannte Erde. Im Jetzt. Also VOR morgen. Obwohl JETZT noch gar nicht klar ist, wie das Morgen überhaupt wird. Aber im Produzieren von Horrorfilmen sind wir alle Oscar-prämierte Regisseure.

Vielleicht sollten wir doch lieber Vögel kucken. Nicht die von Hitchcock, sondern die echten. Natur. Draußen. Vor dem Fenster. Jenseits der Glotze.

contact

Contact I www.thomasmeyerhoefer.comKnöcheltief in der Gülle, und das ganz ohne Gummistiefel. Spielt aber keine Rolle, nicht in diesem Augenblick. Ich habe auch keinen Nerv, dem stinkend-matschigen Zeug auszuweichen, denn ich schaukle ein quadratmetergroßes Kunstwerk (ein echter Vogt) aus Acrylglas über den Acker. Es gibt keine Alternative: Ich befinde mich genau an dem Platz, den sich meine Fantasie schon Tage zuvor ausgesucht hat. Ich bin endlich fündig geworden, und jetzt will ich diese Aufnahme. (Foto oben rechts)

Später am Tag (wieder mit sauberen Schuhen) ist das Kunstwerk noch an verschiedenen Plätzen zu entdecken. Es kommt mit unserer Welt in Kontakt, steht an Orten, an denen man solche Exponate eigentlich nicht vermutet und trifft auf Menschen, die für einen Moment in ihrem Alltagsablauf überrascht werden. (Mercedesfrau, falls du das hier liest: Ich hätte keine Bessere für diese Aktion finden können ;) )
Ab damit in die Box.

Ein Kunstwerk schweigt. Bestenfalls hängt es in einer angesagten Ausstellung und wird von den Massen bewundert.
Vermutlich ist der Anteil derjenigen, die das alles als „blöden Schwachsinn“ abtun, weitaus höher als der der Bewunderer. Dem Kunstwerk geht das am Rahmen vorbei.

Nicht ganz so einfach haben´s Menschen, die „anders“ sind; die aus dem Rahmen fallen, ob sie wollen oder nicht. Sie tingeln durchs Leben, werden entweder vorgeführt oder durchgereicht, belächelt, niedergemacht oder ignoriert. Nichts von alledem ist erstrebenswert.
Sally Brampton, eine Journalistin aus England, schrieb in ihrem lesenswerten Buch „Das Monster, die Hoffnung und ich – wie ich meine Depression besiegte“, wie wichtig es für Kranke ist, zu ihresgleichen Kontakt zu suchen. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, nicht ständig frustriert, verletzt oder gedemütigt zu werden.

Ein zweischneidiges Schwert, nicht nur für die an Depression Erkrankten. Natürlich ist da eine Form von Sicherheit, das nicht belächelt werden, dem Sein unter Leidensgenossen.
Andererseits hilft das auf Dauer nicht, Fortschritte zu machen. Nämlich: Der Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit in einer stürmischen Welt.

Stopp jetzt. Soll reichen. Das ist ein Blog über neue Projekte und dem kurzen Einblick in verschiedenste Schaffensprozesse.
Vielleicht dienen die paar Zeilen als kurzer Impuls. Zum Weiterdenken.
Vermutlich wird im neuen Buch dieses Thema etwas ausführlicher angerissen. Angerissen. Schon richtig, dieser Begriff. Es wird kein Fachbuch für Persönlichkeitsbildung, -forschung, -stabilisierung. Es soll ums Leben und Überleben gehen. In einer stürmischen Welt.

in der box

Mein großer Bruder I www.thomasmeyerhoefer.com

 

Diese Aufnahme ist erst ein paar Tage alt und hat doch beste Chancen, im nächsten Buch veröffentlicht zu werden. Die Kombi von Foto und Aussage überzeugt mich.

Immer wieder stolpere ich über Aussagen / Sprüche / Kalenderblätter, die von Dunkelheit / Not / Chaos in einer Art und Weise sprechen, als ob diese bereits verloren haben. Dann nämlich, WENN man richtig glaubt. WENN man nur will. WENN konkrete Schritte unternommen werden. Sätze, die mit einem „Du musst nur…!“ eingeleitet werden. Gequirlter Schwachsinn also.

Tatsache ist, dass niemand weiß, wie lange sein Aufenthalt in der Dunkelheit andauert. Keiner kann vorhersehen, ob eine Rückkehr ins Licht jemals wieder möglich sein wird. Dazu eine kleine Textbrücke:

„Auf einmal war er weg. Den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr, es muss im Frühling gewesen sein. Draußen glänzte der Morgenwald und die Sonne hangelte sich hinterm Berg hinauf dem Himmel entgegen. Er war weg und kam nicht wieder zurück. Mein Schatten. Ich kann mich erinnern, wie ich mich mehrmals um die eigene Achse drehte: in die Hocke ging; den Sessel zur Seite schob und sogar nach der Taschenlampe suchte, um die Ecken des Zimmers auszuleuchten. Er blieb verschwunden. Erst viel später ….“ (Fortsetzung folgt)

Wie will man so etwas vernünftig erklären… Schatten weg? Ist das Fantasy oder ein Comic?
Die Lösung ist viel einfacher und doch kaum zu ertragen: Du wachst in deinem neuen Zuhause auf, einer Höhle, einem Loch oder Verlies, in dem es keine Fenster und keine Elektrizität gibt. Keine Schatten. Die haben sich mit ihrer Umgebung verbündet und kämpfen ab sofort gegen dich. Das perfide daran: Du siehst und hörst die anderen. Die Lichtmenschen. Wie sie lachen, sich lässig ihre Ray Bans in die Haare schieben, das pralle Leben genießen. Du spürst ihr „das wird schon wieder, jetzt komm, stell dich nicht so an“ und kannst dich nicht dagegen wehren.

Das Gedicht zur Aufnahme stammt aus einer Zeit, in der Anfangswahnsinn und Panikträume ihren Platz mit der Resignation tauschten. Einer Zeit also, in der das Sein in der dunklen Parallelwelt schon jahrelang meinen Alltag bestimmte.

Die Nacht hat bis heute nichts an Schwärze verloren. Schatten sind immer noch unsichtbar. Und doch hat sich eine Aussage durchgesetzt: Wenn es einer schafft, den Weg in dieses Dunkel zu finden… wenn es jemand möglich ist, zwischen all den unsichtbaren schwarzen Schatten das bisschen Restleben zu finden, dann… dann ist es der große Bruder. Der himmlische. Der, der von sich behauptet, das Licht schlechthin zu sein.

volle box

15-03-16 b

 

War ein paar Wochen unterwegs zum Fotografieren. Das nächste „Werk“ wird wieder eins mit vielen Bildern, den dazu passenden Texten und einer hochwertigen Verarbeitung.
Die Box* ist schon ziemlich voll und nun geht´s ans Sortieren: Hunderte Fotografien, Textfragmente, Journale mit gestammelten Ideen und einer dicken roten Linie im Kopf.

* Mein Organisationssystem. Zuerst schreibe ich den Namen des Projekts mit einem fetten Edding auf den Kartondeckel und schmeiße alles, was ich auch nur im Entferntesten mit dem Projekt in Verbindung bringe, in die Box: Journale, Fotos, Fresszettel mit schnell hingeschmierten Stichworten, Kopien von Buchseiten, Zitate und alles, was mich zum Thema inspiriert.

28tomake

Scan 09.02.2016, 16.48

Dieser Auszug aus meinem Notizbuch klingt leicht abgedreht… – andererseits, wer Peggy Browers auf ihrem Weg in die Freiheit begleitet, der muss gute Nerven haben UND auch etwas abgedreht sein.

Aber das hier, das hat nichts mit Peggy zu tun, sondern mit unserer (oder: meiner) Kreativität. Die bleibt im Alltag manchmal auf der Strecke und braucht hin und wieder etwas Starthilfe.
Genau aus diesem Grund haben einige Künstler das Projekt 28tomake gestartet. Den ganzen Februar gibt´s täglich kleine Übungen, die den Künstler in uns wieder motivieren und auf ganz neue Gedanken bringen sollen.

28tomake ist kostenlos, das Postfach wird nicht mit Spammails überschwemmt und wer auf eine tägliche Erinnerung verzichten kann, braucht noch nicht einmal seine Daten angeben. Sehr zu empfehlen. In diesem Sinne, ich leiste jetzt dem einsamen Schaufenster ein bisschen Gesellschaft.

die rose

IMG_0253

Nebel und Schnee sind eine ideale Kombi für Emo-Pics.
Ein fahrzeug- und menschenleerer Parkplatz bietet sich an und ich lasse den Bus allein zurück. Kleiner Anstieg den Berg hoch, ein schmaler Weg in den Wald, noch ein paar Meter klettern und dann der Ausblick.

Nichts zu sehen, alles weiß.
Nichts zu hören, alles still.

Plötzlich ein dünnes, feines Klingen. Kirchenglocken von weit her. Die Weite, das Nichts, alles konturlos verschwunden und dann dieses zarte Läuten. Eine Melodie zerpflückt in helle Töne, die sich auf Schneeflocken setzen und bis zu mir tragen lassen. Stille, grandiose Momente.

Habe mir vorgestellt, dass irgendwo in diesem weißen Nichts ein Schatz vergraben liegt. Oder besser noch: Eine einzelne rote Rose. Und wer sie findet, hat das Leben.
Wenn dem so wäre… – wo anfangen mit der Suche? Besser passiv bleiben und erfrieren? Ist es diese Rose wert, eine weiße Wand zu überwinden? Keine Frage, die Gefahr, dass der eigene Weg im Kreis verläuft, ist groß. Vielleicht führt der Weg an Hindernisse, die noch kein Mensch überwunden hat. Also? Am besten gar nicht erst den Fuß in feuchten Schnee setzen?

Leben gibt´s weder vorgekaut und auch nicht smart portioniert. Leben suchen… das hat immer mit Zurücklassen zu tun. Und oftmals auch mit „keine Richtung wissen“. Es sind Schritte in den Nebel, einzig getrieben von der Sehnsucht nach Wahrheit.

Müsste ich Jesus mit einer Blume vergleichen, würde ich ihm eine rote Rose überreichen. Langstielig, dunkelrot und mit Dornen übersät. Eine Rose, gefunden auf der Suche nach dem echten Leben. Die Königin der Blumen für den König der Welt.