Sturm (weg-)beten

Foto

Sturm beten, weil die Geliebte mit fast zweistündiger Verspätung in den Himmel abhebt. Köln/Bonn 17.20 Uhr. Eigentlich. “Wegen Unwetter und Sturm kommen wir hier nicht weg” steht in der SMS und mir stehen ansatzlos die Bilder von den Titelseiten der “Welt”, “Bild” und der “Süddeutschen” vor Augen. Das sind die Tageszeitungen, die’s hier am Terminal zu kaufen gibt. Jetzt ist es kurz vor halb neun und noch immer ist nichts von ihr zu sehen. Die Ankunftszeit scrollt fünfminütig nach weiter hinten.

“Sturm haben” und “Sturm beten” sind zwei Paar Stiefel. Für den einen kann ich nichts, für den anderen schon. Wenn ich mir das so vorstelle, wie mein ängstliches Gebet für KEINE Lacher in der unsichtbaren Welt sorgt, dass kein überfordert angenervter Engel, der gerade dem Ende seiner Schicht entgegenwartet, wegen mir widerwillig ein paar Überstunden schieben muss… – sondern dass mein Stammeln ernst genommen wird, dann beruhigt mich das extrem.

Und weil’s sich’s hier um keinen Tod bringenden, zerstörerischen Orkan handelt, sondern um einen, der Hilfe und Heilung bringen soll, stürmt’s jetzt weiter – aus meinem Herz in Richtung unsichtbarer Welt.

Nachtrag 1: Die erwartete Ankunftszeit blinkt jetzt bei 21:39 Uhr. Das ist eine extra Stunde durch den iberischen Luftraum. Hüben wie drüben.

Nachtrag 2: 21:50 Uhr – kleines, panisches Herz hat Ruh’. Sie hat wieder festen Boden unter den Füßen. Gott sei Dank!

Die Nutte, die Blumen & das Mädchen

Blumen

Ich schätze sie auf Mitte Vierzig. Sie sitzt auf einem weißen Plastikstuhl und wippt mit ihrem rechten Bein. Dabei versucht sie unentwegt, Blickkontakt mit den Vorbeifahrenden herzustellen. Bleibt einer zu lange in ihren Augen hängen, hält sie ihr schwarzes Haar in den Wind und legt die Hand aufs Knie. Trotzdem bremst keiner ab. Bei fast dreißig Grad im Schatten hat wohl niemand große Lust auf eine schnelle Befriedigung. Keine guten Arbeitsbedingungen für jemand, der sich so seinen Lebensunterhalt verdient.

Nur ein paar Meter weiter stecken bunte Blumen in der Leitplanke. Ich sehe sie nicht zum ersten Mal. Und doch öffnet sich gerade jetzt die Tür zurück in die Vergangenheit. Eine Geschichte, schon vor Jahren passiert, steht unerwartet vor mir und versetzt mich hinein in eine längst vergangene Zeit. Es ist gerade so, als ob du dir ein altes Buch aus dem Regal ziehst, ein paar Seiten darin blätterst und dir dann unvermittelt ein zerknittertes Foto in die Hände fällt. Du hast es seinerzeit als Lesezeichen benutzt. Du starrst auf die Gesichter und die Zeitmaschine zerrt dich durch die Jahre.

Ich bremse ab und fahre an den Straßenrand. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel – die Frau bleibt sitzen.

Abenteuerurlaub. Jugendgruppe. Mit der Fähre ging´s von Italien hinüber nach Griechenland. Dann weiter mit dem Reisebus. Die Fahrt führte durch das Pindus – Gebirge. Ziel: die Meteora – Klöster. Das hieß: Eine Kurve nach der anderen. Stundenlang. Abbremsen, Gegenverkehr ausweichen, Gas geben. Mir war kotzschlecht. Gerade noch rechtzeitig gab ich dem Fahrer das Zeichen zum Anhalten, fiel aus dem Bus, beugte mich über die Leitplanke und würgte. Ein paar Meter weiter steckten bunte Blumen in der Leitplanke. An ihnen hing ein Foto in schwarz/weiß.

Kurze Zeit später ging´s wieder. Mein Magen hatte sich beruhigt und der Busfahrer gab sich Mühe. Erst jetzt registrierte ich die vielen frischen Blumen entlang der Straße. Alle paar Kilometer ein Strauß – meistens weiße Nelken.

Abends, endlich am Campingplatz angekommen, trafen wir uns, um das Programm für den nächsten Tag durchzusprechen. Die Jugendlichen baten mich noch um eine kurze Abendandacht und ich wählte die vielen Blumen als Beispiel dafür, wie schnell das Leben sich verändern oder auch vorbei sein kann. Unfall, Verletzung, Tod. So schnell, dass manchmal gar keine Zeit mehr bleibt, um sich von seiner Familie und seinen Freunden zu verabschieden. „Das Leben bewusst gestalten und leben…, und auch die Zeit danach nicht vergessen… – Herausforderungen, die wir nicht verdrängen dürfen.“ 

„Wie meinst du das?“ Sie war höchstens achtzehn und saß auf ihrer Luftmatratze.

Ich griff nach meiner Bibel und las ein paar Zeilen einer Geschichte vor. Darin konfrontiert eine junge Frau Jesus mit einem Todesfall aus ihrer Familie. „Wer an mich glaubt“, gibt ihr Jesus seinerzeit zur Antwort, „wird leben – auch dann, wenn er gestorben ist. Glaubst du das?“ Anstatt eines schlichten „ja“ oder eines bloßen Kopfnickens formuliert diese Frau ein Bekenntnis, das zeigt, wie sehr sie sich mit dieser Frage schon seit längerem auseinandergesetzt hat: „Ich glaube, dass du der Erlöser, dass du der Sohn Gottes bist.“

Später, als die anderen schon in ihren Schlafsäcken lagen, kam sie zu mir. Verheulte Augen. Sagte, dass es mit ihrem Glauben an Jesus nicht weit her sei. Dass sie wolle, aber nicht wisse, wie. Und dass sie das auch so sagen möchte wie diese Frau aus der Geschichte von vorhin.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie lange wir in jener Nacht über den Glauben, Jesus und das Leben gesprochen haben. Ihr Bekenntnis zu Jesus habe ich aber nicht vergessen. Sie hatte sich genau überlegt, was für ihr Leben wichtig sein soll. Jesus gehörte dazu.

Die Lady sitzt noch immer auf ihrem weißen Stuhl. Sie schaut in eine andere Richtung. Ich steige aus dem Auto und knie nieder. Die Blumen sind aus Plastik und kleben schon seit längerem an diesem Ort. Ein Foto ist nicht dabei.

Wer immer hier auch sein Leben beenden musste… ich hoffe sehr, dass es für ihn auf der anderen Seite in einer neuen Zeitrechnung weiter geht.

 

Hausmeister und Schreibmaschine

„Schreiben Sie Ihre Geschichten mit der Schreibmaschine?“ Der Hausmeister schaut zu mir auf, während er in einer leichten Verbeugung an der Haustür steht. Er fummelt an einem riesigen Schlüsselbund, um endlich die Tür in die Wohnung aufzuschließen. Einen Monat lang will ich versuchen, die unvollendeten Geschichten der vergangenen Jahre fertigzuschreiben. Dazu habe ich die Abgeschiedenheit gewählt. Selbstversorger, Auswärtsschläfer, Medikamentenschlucker. „Nein, ich habe meine Papyrusrolle im Auto“, will ich seine Frage beantworten, halte mich dann aber doch zurück. Stattdessen überlege ich mir, ob er mit Begriffen wie „Notebook“ oder „Laptop“ etwas anfangen kann. Ich entschließe mich nach einer kurzen Pause für „Computer“. Der Hausmeister nickt, streckt sich und öffnet die Tür. „Der mit dem kleinen Riss in der Rundung, der ist es!“ Er hält den Schlüssel gegen die Sonne. Ich kann nichts sehen, aber die Tür steht offen. „Habe gestern alles vorbereitet“ sagt er im Hineingehen.

Dann erklärt er mir, wie ich den Gashahn aufdrehen muss, in welche Richtung der Haupthahn vom Wasser zu bewegen ist, damit die Waschmaschine funktioniert und welche Sicherungen einzuschalten sind, so dass ich Strom habe. Und ich verstehe alles.

Das, am Rande bemerkt, ist nicht selbstverständlich. Ich habe von praktischen Dingen so viel Ahnung wie ein Schäferhund vom Autofahren. Dass mir als Handwerkernovize in Sekundenschnelle die Handhabe von Gas, Wasser und Strom erklärt wird und ich mit dem Verstehen keine Probleme habe… das schafft nicht jeder.

Noch während der Hausmeister den Sicherungskasten verschließt, überrollt mich die Erkenntnis meiner Überheblichkeit wie eine Zweimeterwelle kurz vor dem Abkippen. In Gedanken schimpfe ich mich einen Idioten (das allerdings ist die harmlose Variante..).

Wie viele Hausmeister und Handwerker ich mit meinen Fragen zum Verzweifeln gebracht habe, will ich gar nicht wissen. Ohne Schwierigkeiten fallen mir mehrere Episoden dazu ein – über eine Geschichte müssen meine Frau und ich noch heute lachen, obwohl der peinliche Vorgang schon fast dreißig Jahre her ist.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in der Bibel nichts von „Du sollst nicht überheblich sein!“ steht – zumindest nicht in diesem Wortlaut. Andererseits spricht Jesus davon, dass wir den anderen höher achten sollen als uns selbst. Und das, ich muss es zugeben, kommt dem „überheblich sein“ schon ziemlich nahe. Mindestens.

Die Zeit fängt gut an, und das meine ich wirklich so. Für mich hat das Christenleben nichts mit einem stupiden Abrufen einmal auswendig gelernter Verhaltensregeln zu tun. Viel mehr ist es ein lebendiger Prozess: reflektieren, dazulernen, fallen, aufstehen, Neues entdecken, sich von Altem verabschieden. Und erinnert werden. Wenn es sein muss, durch einen freundlichen Hausmeister.

Glattbügler

nicht glattbügeln

Heute Morgen lagen zwei Kugelschreiber in unserem Briefkasten. Ein roter und ein blauer. Außerdem noch ein dünner Notizblock, bedruckt mit dem Gesicht eines Politikers. Und bunte Flyer zum Parteiprogramm.

Alle paar Jahre gibt´s diese Aktion. Vielleicht wollen uns die Parteien eine Freude bereiten, indem sie uns mit neuen Kugelschreibern überschwemmen. Wobei, der rote hat den ersten Schreibtest nicht überstanden. Er liegt jetzt im gelben (Müll-)Sack.

Es ist wieder Zeit für Geschenke und Versprechungen. Häufig denke ich in diesen Tagen an Christoph Columbus, James Cook und Magellan. Nach deren Fahrten über unerforschte Ozeane standen sie den Ureinwohnern neu entdeckter Länder gegenüber. Um die zu besänftigen und für sich zu gewinnen, beschenkten sie das Volk mit Glasperlenketten und Schnaps.

Was den Schnaps betrifft… – den hat mir bislang noch keiner angeboten, dafür Ostereier und Schokolade. Und nicht zu vergessen: Kugelschreiber.

Während ich diese Zeilen in mein Notebook tippe, fährt ein weißer Smart auf den freien Parkplatz neben mir. (Ich schreibe auch, wenn ich unterwegs bin – so wie jetzt.)

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Reise durch die Zeit

rg„Asche zu Asche, Staub zu Staub!“ Der Pfarrer macht eine kurze Pause, greift nach einer kleinen Schaufel und häuft sich etwas Mutterboden auf die Metallfläche. Er trippelt an das offene Grab und lässt die Erdklumpen auf den Sarg fallen. Nach einer kurzen Pause dreht er sich wieder zu uns, sagt noch ein paar Worte, die ich aber nicht verstehen kann. Der Wind weht jetzt in eine andere Richtung.

Wie auf Befehl neigen die Trauergäste aus der ersten Reihe ihre Köpfe. Auch der Pfarrer schaut auf den Boden. Aus einem zuerst undeutlichen Gemurmel entwickeln sich verständliche Wortfetzen. Mit einer kleinen Verzögerung setzen alle anderen auch in das Gebet ein: „… der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“ 

Vermutlich macht es „unserem Vater im Himmel“ nichts aus, dass wir dieses Gebet nicht lippensynchron an ihn richten. Ich kann mich sowieso nicht konzentrieren, starre in Richtung Grab und überlege mir, wie viel Leben jedem von uns Anwesenden noch bleibt. Es ist eine nicht einsehbare Zeitlinie, eine Reise durch die Zeit, die unvermittelt endet und dann liegen auch wir in einer solchen – mehr oder weniger – feudal ausgestatteten Holzkiste.

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Drei Türme

Drei TürmeBesuche im Krankenhaus gehören nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung. Allein wenn ich an die Kranken denke, die sich am Haupteingang des Hospitals aufhalten… für mich ein regelrechter Spießrutenlauf. Schon an der Bushaltestelle sitzen sie, unschwer zu erkennen am fahrbaren Tropfgestänge in unmittelbarer Nähe zur Armbeuge, die Jogginghose, der Bademantel, Zigaretten.

Je näher der Haupteingang, desto größer die Menschenansammlung. Leere Blicke scannen einen beim Näherkommen, geben mir schweigend zu erkennen, wie gut ich´s habe, weil ich das Krankenhaus verlassen kann, wann ich es für richtig halte. Spätestens beim Betreten des Hospitals läuft mir dann ein kalter Schauer über den Rücken.

Manchmal geht die Fantasie mit mir durch – dann drehe ich mich noch einmal um und in meiner Vorstellung mutieren die gerade noch friedlich an ihren Zigaretten Hängenden zu seelenlosen Ungeheuern, die mich zu einem der Ihren machen wollen.

Die Realität ist nicht ganz so dramatisch – aber auch das Warten an den Fahrstühlen hat es in sich; oder die langen Flure, in denen der Gestank von altem Sagrotan zu Hause ist und sich wohl nie wieder entfernen lässt; die schweren Türen, hinter denen die Kranken ausharren und von gesunden Zeiten träumen. Ich kenne niemand, der nicht, kommt er einigermaßen zu Bewusstsein, das Personal mit der alles entscheidenden Frage bombardiert: „Wann darf ich wieder nach Hause!?!“ Und – ich kenne auch niemand, der dann tierisch genervt an der Bettdecke zerrt, weil keine vernünftige Antwort auf die existentielle Frage zu hören ist. Dieses stereotype „das wird Ihnen der Stationsarzt mitteilen“ soll ja eigentlich beruhigen, bewirkt aber genau das Gegenteil. Erstens ist der Stationsarzt meistens beschäftigt, zweitens hat der beim Verlassen des Krankenzimmers sein Versprechen, öfter nach einem zu schauen, schon längst wieder vergessen und drittens interessiert ihn meine Frage gar nicht. Wie auch – er bekommt sie hundertmal pro Tag zu hören. Mindestens.

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Alltags-Wissen

„Ich habe früher Musik gemacht. Alle mögliche Richtungen, aber hauptsächlich Rockmusik.“

„Welches Instrument hast du gespielt?“

„Schlagzeug und Bass. Mal das eine, mal das andere.“

„Welchen Rat würdest du Nachwuchsmusikern geben?“

„Üben, üben, üben. Weniger an den Erfolg und ans Berühmt werden denken. Das kommt von selbst, wenn du gut bist.“

Oskar

Oskar & KathiOskar ist sechs Monate alt. Seit Sonntag. Er lacht viel, schmiegt sich in meine Arme, schleudert dann wieder seine Holzkette mit den farbigen Klötzchen über den Tisch und wenn man nicht aufpasst, fliegt die Kette hinüber zum Tischnachbarn, der ein paar Meter entfernt seine Tageszeitung liest. Oskar ist stark. Und fröhlich. Er lacht viel und außerdem mag er Birnen. Die aus dem Gläschen.

Vor zwei Jahren haben uns seine Mama und ich zum ersten Mal getroffen. Im gleichen Café, saßen am selben Platz wie heute und sprachen über Vincent. Oskars Bruder. Vincent lebte nur ein paar Atemzüge lang. Dann ging er aus dieser Welt.

Kathi sprach über diese schreckliche Erfahrung. Es waren keine lauten Worte; echt und intensiv. Sie flüchtete sich nicht in Worthülsen, gebrauchte keine fromme Floskeln und sie hielt sich sämtliche Möglichkeiten offen, wie ihr weiteres Leben (auch das mit Gott) aussehen könnte. 

Passiert vor vor zwei Jahren.

Kathi lacht auch viel. Und sie schüttelt erstaunt den Kopf, weil ihr Oskar den kompletten Inhalt vom Gläschen niedermacht. Nach noch mehr verlangt, obwohl schon der letzte Rest herausgekratzt ist. Die Angestellten im Café lachen auch über Oskar. Sie versuchen, durch Handbewegungen seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Sie haben Pech, zumindest heute, denn Oskar hat nur Augen für seine Mama.

Wie es ihr heute geht, frage ich sie und drücke den Auslöser der Kamera.

Das Foto sagt alles; besser kann man diese Frage nicht beantworten.

 

Zwei Jahre

Fast zwei Jahre war´s still hier im Blog. Seinerzeit ging´s ohne Vorankündigung in die Pause, von jetzt auf gleich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und nun, fast zwei Jahre später… alles so wie damals?

Ich weiß es nicht. Noch nicht.

Für mich war`s interessant, den ganzen Internet-, Blog-, Facebook- & Twitter-Hype von Außen zu verfolgen; stiller Betrachter einer Welt zu sein, in der viel getrommelt, geworben und noch mehr publiziert wird.

Viele Lautsprecher von damals haben zwischenzeitlich die Flinte ins virtuelle Korn geworfen. Kein Wunder… irgendwann hat sie es wohl genervt, ständig die wählerische Freundeswelt mit „bahnbrechenden“ Einsichten zu versorgen. Irgendwann reichte weder Zeit noch Kraft, permanent Neues von sich geben zu müssen. Und noch eine dritte Beobachtung: Irgendwann haben wohl nervige Kommentatoren zur falschen Wortwahl gegriffen – und ab sofort durfte niemand mehr seine Meinung posten.

Stimmt schon… – es hat sich viel verändert. Doch nach wie vor stellt das Internet eine Möglichkeit dar, sich seine Meinung zu bilden; sich Informationen zu verschaffen; Ländergrenzen in Sekundenschnelle zu überwinden; weltweite Kontakte zu knüpfen und auszubauen.

Natürlich, da sind auch die Trommler und Werber unterwegs, die Ich-Darsteller. Besserwisser und die Egomanen. Aber die laufen auch in der realen Welt nicht unter Artenschutz. Von daher…

… in Zukunft gibt´s also hier wieder etwas zu lesen. Hin und wieder. Für den, den´s interessiert.

Einiges hat sich verändert — und das betrifft nicht nur die Groß- und Kleinschreibung der neuen, aktuellen Beiträge. Mein privates Facebook ist down, die Kommentarfunktion im Blog bleibt inaktiv, die Beiträge unterliegen keinem Redaktionsschluss und sind keiner Deadline verpflichtet.

Einzig der Inhalt wird sich nicht groß verändern: Geschichten, Begegnungen und Erlebnisse. Außerdem Gedankenanstöße, um über weshalb und warum Gott so wichtig ist. Informationen über Jesus und seine Aussagen. Einblicke in die Bibel, um deren Aktualität zu zeigen.

In diesem Sinne: Weiter geht´s.

cello im keller

“auch eine flucht nach erfurt und das geheime versteck im keller können dir nicht verbieten, dein cello wieder auszupacken.“ *

was udo lindenberg und clueso anläßlich des mtv-konzerts in hamburg live performt haben, ist ganz großes kino: die beiden singen gemeinsam den alten lindenberg-klassiker „cello“ und frischen so den song ins einundzwanzigste jahrhundert.
zum inhalt: typ verliebt sich in musikerin, reist ihr hinterher, irgendwann kommen sie zusammen, leben sich wieder auseinander und das endergebnis dieser zerbrochenen liebe beinhaltet auch das zerbrechen ihrer cello-karriere.
weil das so nicht sein soll, singt lindenberg:
„heute wohnst du in erfurt, und dein cello steht im keller … – komm pack´ das ding doch nochmal aus, und spiel so schön wie früher.“

es ist die typische „lindenberg-logik“: „mach mal und spiel wieder, egal was damals passierte.“
tja … – wenn´s nur so einfach wäre. mal eben mit einer handbewegung ein paar jahre vergangene liebe inklusive verletzungen und zerstörter träume beiseite wischen, den schwarzen kasten aus dem keller holen und losfideln. was wohl bei den ersten tönen passiert? logisch: alles wieder da. nur ein paar töne und die monster der vergangenheit sitzen wieder im zimmer. und im kopf.

von solchen erfahrungen könn(t)en viele ihr eigenes lied singen. das heißt dann allerdings nicht „cello“ sondern maler / liebe / dichter / sänger / beziehung / glaube / und.so.weiter.

da lässt jemand seine die ihn auszeichnende fähigkeit verkümmern. grund dafür vielleicht ein tragisches ereignis, eine zerstörte liebe, eine aufkeimende hoffnung, die sich ins nichts verabschiedete oder ein begangener fehler, der einen bis heute daran zweifeln lässt, jemals wieder diese aufgabe ausüben zu können:

  • dein lachen, mit denen du andere glücklich gemacht hast.
  • deine liebe, mit denen du dich und andere beschenkt hast.
  • dein malen, mit dem du deine träume auf leinwand gezaubert hast. dein schreiben, mit denen du andere herausgefordert und ermutigt hast.
  • dein predigen, mit den du so viele menschen christus nahegebracht hast.
  • dein helfen, mit dem du anderen aus der not geholfen hast.
  • dein glaube, mit dem du jahrelang durch dick und dünn gegangen bist.
  • alles im keller. direkt neben dem schwarzen cellokoffer.

dass der weg zurück nicht ganz so einfach ist, wie udo sich das vorstellt (oder vorsingt), weiß jeder, der diese strecke schon einmal zurückgelegt hat. zu den monstern der vergangenheit gesellen sich auch die versagensängste vor der zukunft. alles in allem ist das gar kein gutes gemisch, um einen neuen anlauf zu nehmen …
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