cello im keller
“auch eine flucht nach erfurt und das geheime versteck im keller können dir nicht verbieten, dein cello wieder auszupacken.“ *
was udo lindenberg und clueso anläßlich des mtv-konzerts in hamburg live performt haben, ist ganz großes kino: die beiden singen gemeinsam den alten lindenberg-klassiker „cello“ und frischen so den song ins einundzwanzigste jahrhundert.
zum inhalt: typ verliebt sich in musikerin, reist ihr hinterher, irgendwann kommen sie zusammen, leben sich wieder auseinander und das endergebnis dieser zerbrochenen liebe beinhaltet auch das zerbrechen ihrer cello-karriere.
weil das so nicht sein soll, singt lindenberg:
„heute wohnst du in erfurt, und dein cello steht im keller … – komm pack´ das ding doch nochmal aus, und spiel so schön wie früher.“
es ist die typische „lindenberg-logik“: „mach mal und spiel wieder, egal was damals passierte.“
tja … – wenn´s nur so einfach wäre. mal eben mit einer handbewegung ein paar jahre vergangene liebe inklusive verletzungen und zerstörter träume beiseite wischen, den schwarzen kasten aus dem keller holen und losfideln. was wohl bei den ersten tönen passiert? logisch: alles wieder da. nur ein paar töne und die monster der vergangenheit sitzen wieder im zimmer. und im kopf.
von solchen erfahrungen könn(t)en viele ihr eigenes lied singen. das heißt dann allerdings nicht „cello“ sondern maler / liebe / dichter / sänger / beziehung / glaube / und.so.weiter.
da lässt jemand seine die ihn auszeichnende fähigkeit verkümmern. grund dafür vielleicht ein tragisches ereignis, eine zerstörte liebe, eine aufkeimende hoffnung, die sich ins nichts verabschiedete oder ein begangener fehler, der einen bis heute daran zweifeln lässt, jemals wieder diese aufgabe ausüben zu können:
- dein lachen, mit denen du andere glücklich gemacht hast.
- deine liebe, mit denen du dich und andere beschenkt hast.
- dein malen, mit dem du deine träume auf leinwand gezaubert hast. dein schreiben, mit denen du andere herausgefordert und ermutigt hast.
- dein predigen, mit den du so viele menschen christus nahegebracht hast.
- dein helfen, mit dem du anderen aus der not geholfen hast.
- dein glaube, mit dem du jahrelang durch dick und dünn gegangen bist.
- alles im keller. direkt neben dem schwarzen cellokoffer.
dass der weg zurück nicht ganz so einfach ist, wie udo sich das vorstellt (oder vorsingt), weiß jeder, der diese strecke schon einmal zurückgelegt hat. zu den monstern der vergangenheit gesellen sich auch die versagensängste vor der zukunft. alles in allem ist das gar kein gutes gemisch, um einen neuen anlauf zu nehmen …
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