abgeflogen

Wir hocken am Frankfurter Flughafen und warten darauf, bis sich endlich Gate 20 öffnet. Bis zum Boarding sind’s noch 45 Minuten.

Am Nachbargate kehrt wieder Ruhe ein. Ein Stewart verschließt den Zugang, seine Kollegin sammelt alle Unterlagen und auf dem Display an der Decke erlöscht der Zielflughafen. „CLOSED“ steht da jetzt gelb auf schwarz.

Ein Typ kommt angerannt, lehnt sich über den Tresen und zeigt durch die Glaswand nach draußen. Er atmet heftig. Der Stewart schüttelt den Kopf. Seine Kollegin macht ein paar Schritte weg vom Gate und nickt in Richtung Display. Der Typ wird laut. Richtig laut. Ich tippe auf Holländer. Zumindest klingt’s für mich danach.

Die beiden Helfer in Ryanair - Uniform reagieren nicht. Vermutlich müssen sie sich öfter mit Leuten auseinandersetzen, die wegen eines verpassten Fliegers ihre Fassung verlieren.

Der Typ zerrt seinen Rucksack vom Rücken und knallt ihn gegen die Wand. „Gepäck“ höre ich jetzt. „Im Flugzeug!“, schreit er. Alles klar, kein Holländer. Deutscher. Extrem genervt.

Der Stewart telefoniert. Seine Kollegin starrt in eine andere Richtung. Der Typ schlägt gegen die Wand.

Trash-TV vor Publikum.

Was die drei dann anschließend besprechen, entzieht sich meiner Kenntnis. Zu laut in der Halle.

Fest steht, dass der Typ seinen Flieger verpasst hat und keine Chance auf einen schnellen Transit im gelb-blinkenden Elektroauto über die Start-und Landebahn zum Flieger bekommt.

Wahrscheinlich schmeißt er deshalb auch seinen Rucksack gegen Wand und Fenster. Immer wieder.

Es hilft nichts: Der Flieger hebt ohne ihn ab.

Jesus spricht immer wieder von diesem „zu spät“. Er gebrauchte dabei nicht das Beispiel vom verpassten Flieger. Seine Zuhörer hätten den Sprung ins 21. Jahrhundert nicht geschafft. Deshalb nimmt er Beispiele aus deren Lebensalltag - ob das die Brautjungfern sind, die die Hochzeit verschlafen; eine Tür, so klein, dass sie kaum zu finden ist; das Ausstreuen von Saat auf den Acker hinterm Haus; der Hausmeister, der nicht schlafen darf, damit die Einbrecher keine Chance haben; die Geschichte vom Armen in Abrahams Schoß und dem Reichen in der Hölle. Jesus nimmt Begebenheiten aus dem Alltag und vermittelt seinen Zuhörern:

„Es gibt ein zu spät. Der Flieger ist in der Luft!“

Da hilft kein Gezeter, keine Szene, keine Tränen. Weg ist weg.

Die Geschichten ändern sich, die Message bleibt: „So sollt auch ihr ständig bereit sein“, fordert Jesus seine Zuhörer auf, „denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, an dem ihr nicht damit rechnet.“ *

Harte Worte, Mann. Ein Statement, das so gar nicht in unsere Zeit passt. In der geht’s hauptsächlich um mich und mein Wohlbefinden.

Wir führen eine Löffel- oder Bucketlist, um vor unserem Ableben noch die Highlights abzugreifen.

Ohne jetzt einen auf Spielverderber zu machen … an oberster Stelle dieser Liste sollte stehen:

1. Bin ich bereit, Jesus zu begegnen?

2. Ist alles geklärt zwischen uns beiden?

3. Sitze ich im Himmelsflieger, wenn der abhebt?

Oder muss ich die Engel am Gate beknien, dass sie den Flieger für mich aufhalten?

Doch die haben klare Anweisung von ganz oben: Nichts geht mehr.

Es gibt ein "zu spät".

*Neues Testament, Lukasevangelium, Kapitel 12 Vers 40

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