bockig!

Ihre Augen funkeln vor Glück! Sie lacht laut und drückt den Joghurtbecher an die kleine Brust. Mama hat ihr gerade das allerallerallergrößte Geschenk gemacht: Den Fruchtjoghurt. Keinen x-beliebigen, sondern den mit der Paw-Patrol Figur im Becher. Die Kleine jubelt und jauchzt. Definitiv: Sechser im Lotto. Ein tolles Kind!

Minuten später entdecke ich Mama und Kind schon wieder. Die beiden warten in der Schlange vor der Kasse.
Ansatzlos wirft tolles Kind ihren Joghurtbecher zurück in den Wagen. Ihre Hände strecken sich nach Süßigkeiten, Kaugummis und Schokoriegel – all das Zeug, bewusst platziert um Stress zu verursachen.
Jetzt kommt Leben in die Bude. Die Kleine nörgelt und zeigt auf eine Schachtel Zigaretten. Mama schüttelt den Kopf. Das Kind fängt an zu quengeln.
Mama greift hektisch nach dem Joghurt, um die Kleine an ihren Lottogewinn zu erinnern.
Doch die hat nur noch Augen für Schoko und Riegel und tictac und Marlboro. Die Sirene setzt ein, nimmt an Intensität zu und dann holt sich der Sturm seine Opfer: Mädchens kleine Hand rast übers Regal. Von links nach rechts und wieder zurück. Mama bückt sich schnell und sammelt das Zeug ein. Noch während sie am Boden kauert, fliegt ihr die nächste Packung um die Ohren.
So viel zum Thema „Lottogewinn“.
Interessant ist die Mutationsgeschwindigkeit vom glücklichen Kinde hin zum Einkaufsmonster.
Das Terminator verwüstet in sekundenschnelle die Regale, brüllt wie ein Stufe 5 – Tornado, der auf Land trifft und das glückliche Gesichtchen von damals gleicht jetzt einer aufgehenden Sonne.

Nope … keine Erziehungstipps.
Zumal wir solche Zeiten auch schon hinter uns haben – ich spreche hier nicht aus Elternperspektive. Schließlich war jeder von uns mal klein, lieblich und verlottogewinnt. Und: Terminatorisiert.
Und das nicht nur seinerzeit in Höschenwindeln.

Da erlebten wir den offenen Himmel. Gott zeigte sich, beschenkte, beglückte. Diese Erfahrung sorgte für Gefühle, fast wie bei einem Lottogewinn.
Und … wie lange hielten diese Gefühle an?

Wie schnell wird aus einem „ich preise und ich lobe dich!“ ein „DU KANNST MICH MAL!!!“
Vom beglückt begeisterten Kind wechseln wir oft ansatzlos in den Bockig-Status. Und nur deshalb, weil der Herrscher über Himmel und Erde unseren Wunsch (angeblich) missachtet.
So wie bei der Kleinen im Einkaufszentrum.
Die wollte eine Schachtel Zigaretten.
Und?
Machen lassen? Noch ein gelbes Einwegfeuerzeug in den Drahtwagen werfen, damit sich’s Kind die erste Fluppe seines Lebens gleich nach der Glastür anzünden kann?
Never.

Zum Thema „bitten und bekommen“ gibt Jesus eine hilfreiche Verstehenserklärung. Er vergleicht Gott mit einem Vater, der seinen Kindern Gutes tut: „Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange geben würde, wenn es ihn um einen Fisch bittet? Oder einen Skorpion, wenn es ihn um ein Ei bittet?“*

Soll heißen: a) der himmlische Vater verteilt keine Zigaretten an Kleinkinder b) Gott produziert keine Schenkelklopfer, indem er uns gegen die Wand fahren lässt c) er nimmt uns ernst- und d) er stellt sich unserer Bitte.

Ich als Vater / Opa / Onkel würde einer Zweijährigen keine brennende Zigarette in ihren kleinen Mund schieben. Auch auf die Gefahr hin, dass sie frustriert das Einkaufszentrum in Schutt und Asche legt.

Und was meine Wünsche an Gott betrifft: Ich will mich erinnern. An offene Himmel, sein Reden, erlebte Nähe. Dann, wenn es wieder nicht schnell genug geht. Wenn die Gebetserhörung auf sich warten lässt. Ich will mich an den guten Vater im Himmel erinnern, der immer wieder betont, wie sehr er seine Kinder liebt.
Das unterscheidet mich von einem Kleinkind.
Zumindest manchmal …

Herzlichst, wo immer ihr gerade seid,

Thomas Meyerhöfer
werdet superfromm! 

*Neues Testament, Lukasevangelium, Kapitel 11, Vers 11 und 12

Bildnachweis: shutterstock / Slava Dumchev


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