Das Ende aller Vielleicht
Cäsar steht mit seinen Soldaten am Rubikon. Der Fluss ist schmal, fast unscheinbar. Doch wenn er dieses Rinnsal überquert, ist es offiziell: Er befindet sich im Krieg.
Und dann zieht der zukünftige Weltherrscher sein Schwert, wirft die Scheide weg und gibt seinem Pferd die Sporen: Die Schlacht hat begonnen. Ab jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Jetzt ist das Ende aller Vielleicht.
Wer sein Leben Jesus anvertraut, steht auch am Rubikon. Nicht in echt … ich war in den Bergen unterwegs. Und doch – egal, wo du dein „Ja“ dem Sohn Gottes zuflüsterst:
Es ist ein Moment, der zählt. Ein Punkt ohne Rückwärtsgang.
Das Leben ändert sich. Genau wie unsere Zukunft.
Nicht mehr wir geben die Richtung vor, sondern Gott.
Wenn heute jemand sich für Jesus entscheidet, legen wir oft ein weiches Tuch über die Worte.
Aus Rücksicht, sagen wir.
Weil es niemanden verschrecken soll.
Weil wir gelernt haben, dass das Schöne leichter angenommen wird als das Wahre.
Vielleicht auch, weil uns selbst die Radikalität dieser Entscheidung ein bisschen unheimlich ist.
Und so sprechen wir vom „Freudenfest“, vom „Ankommen“, vom „Glück, mit Jesus unterwegs zu sein“.
Alles richtig.
Nur eben nicht die ganze Wahrheit.
Wenn Jesus über Nachfolge spricht, lockt er niemand mit leeren Versprechen.
Er beschönigt nicht, was Nachfolge kostet.
Er sagt nicht: Es wird leicht.
Jesus sagt:
„Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“
(Matthäus 10,34)
Und auch Paulus macht keinen Bogen um die Zumutung. Er kennt die inneren Kämpfe, die Zweifel, das Ringen zwischen dem, was man glaubt, und dem, was man fühlt. Und genau deshalb ruft er dazu auf – nicht aus Theorie, sondern weil er selbst weiß, wie es ist, wenn es ernst wird:
„Greift zum Schwert des Geistes – das ist das Wort Gottes. Denn wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen Mächte und Gewalten der Himmelswelt.“
(Epheser 6,17.12)
Nachfolge ist kein Spaziergang durch blühende Felder, bei dem der Wind einem freundlich durchs Haar fährt und jedes Hindernis sich höflich zur Seite neigt. Sie ist ein Weg, der dich manches Mal dorthin führt, wo du lieber nicht hingehen würdest. Ein Weg, der dich auffordert, ehrlich zu sein, wo du dich am liebsten verstecken würdest. Ein Weg, auf dem du Dinge loslassen musst, von denen du dachtest, sie seien unersetzlich.
Es gibt Tage, an denen Nachfolge sich anfühlt wie das Marschieren durch knöcheltiefen Schlamm, während Stimmen in dir flüstern, dass du dich verrannt hast.
Und gerade dann ist dieses Schwert – das Wort Gottes – nicht irgendein Andenken an bessere Zeiten, nicht bloß ein schöner Vers auf einer Karte mit Aquarellmotiv, sondern das eine, das schneidet, was dich festhält, und gleichzeitig das eine, das dich hält, wenn du selbst kaum noch weißt, wohin mit dir.
Es ist das Ende der Kompromisse, nicht der Zweifel.
Das Ende der Spielräume, nicht der Fragen.
Das Ende des Vielleicht.
Wer sich auf Jesus einlässt, wird nicht weich gebettet, sondern aufgerichtet.
Wird nicht geschont, sondern gehalten.
Wird nicht verschont vor Dunkelheit, aber nie allein durch sie hindurchgeschickt.
Nachfolge ist kein hübsches Bild mit Sonnenuntergang.
Es ist kein „Happy End“ nach drei Kapiteln Drama.
Es ist die Entscheidung, den Schritt zu tun – mit offenen Augen, zitternden Händen und einem Herzen, das vielleicht nicht alles versteht, aber weiß, wem es gehört.
Kein Zurück.
Nur ein Weiter.
Und einer, der vorangeht:
Jesus.