Stelle keine Fragen, deren Antworten du nicht hören willst

„Und wie geht’s?“, fragt mich ein Bekannter vor dem Edeka. Er lehnt lässig über seinem Einkaufswagen und zieht sich ein Croissant aus der Papiertüte.
„Alles gut!“, antworte ich und könnte mir eine verpassen. Ich hätte genauso antworten können:
„Gut, dass du fragst! Mein Magen spinnt seit Wochen, ich leide unter Durchfall und außerdem weiß ich gar nicht mehr wohin mit meinen Gedanken. Es ist alles so schwer und dunkel geworden.“

Diese Antwort hätte meinen Bekannten sowasvon überfordert.
Doch mein „alles gut!“ passt in sein Konzept. Und ehrlich gesagt: in meines auch. Es geht ihn schlicht und ergreifend nichts an, wie ich mich fühle. Also kriegt er die Antwort, die er hören will.
Befriedigend ist das nicht.

Kleiner Szenenwechsel:
Wie oft sage ich zu Jesus: „Dein Wille geschehe!“ ?
Und … bin ich scharf auf seine Antwort?
Was, wenn „sein Wille“ plötzlich mich betrifft?
Also mein Leben, meine Zukunft, meine Pläne?!?

Als wir seinerzeit Jesus das Recht einräumten, dass sein Wille auch für uns (als Ehepaar und Familie) gelten soll, hätten wir nie für möglich gehalten, dass dieses Zugeständnis das Ende des Traumjobs, den Abschied aus einer lebenslang gesicherten Beamtenanstellung und dem Zurücklassen von Familie und Freunden beinhaltet.
Damals mussten wir gegen Existenzängste ankämpfen; gegen Versagensängste; Angst vor Ablehnung.
Es hat ein Jahr gebraucht, bis wir so weit waren, um loszugehen.

Fällt es uns nach dieser – zugegeben grandiosen Erfahrung – leichter, Jesus nach seinem Willen zu fragen?
Zugegeben: Nein.
Viel leichter ist immer noch ein lässig dahergeschwafeltes „dein Wille geschehe“ – in der Hoffnung, er packt keine nächste Überraschung aus der Tüte.

ABER (ich wiederhole mich): Befriedigend ist das nicht.
Himmlische Erfahrungen und Erlebnisse?
Fehlanzeige.
Den guten Hirten in Blickweite haben?
Nope.
Berührende göttliche Nähe ins Herz und Verstand aufnehmen?
Welche Berührungen?!?

Heute kostet es uns immer noch Überwindung, nach dem Willen Gottes zu fragen. Denn: Offenbart er uns seine nächsten Pläne, dann müssen wieder Entscheidungen gefällt, Gespräche geführt, neue Pläne gemacht werden. Alles Eigenschaften, die uns aus der Komfortzone wehen.
Doch dieser frische Wind ist grandios – er bläst den Staub aus verblassten Beziehungen, reißt neue Horizonte auf und zeigt die wahren Dimensionen!
Nachfolge ist eben kein trockenes Thema, der Christenglauben kein langweiliges Dahinvegetieren.
Gespräche mit Jesus führen immer in die Tiefe. Und: Mit unseren zwiespältigen, angstbesetzten Gefühlen kann er gut umgehen.

Keine Fragen stellen, deren Antwort wir nicht hören möchten? Absolut. Dann ist es besser, ein zweites Croissant aus der Tüte zu ziehen und dabei freundlich schweigend kauen.
Denn wenn wir eine Frage stellen, kann es immer sein, dass die Antwort uns nicht passt. Oder herausfordert. Oder beides.

Dass wir dadurch das Leben verpassen, muss uns bewusst sein.

Herzlichst, wo immer ihr gerade im Leben unterwegs seid!

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