Berufung

„Berufung“ ist eines dieser Worte, das sofort etwas in Bewegung setzt bei den Menschen, die an Gott glauben. Es hat Gewicht, es klingt nach etwas Großem, fast Erhabenem, und gleichzeitig entzieht es sich, sobald man versucht, es wirklich zu greifen.

22. April 2026

Wenn man es ausspricht, liegt darin etwas Klares, fast etwas Leuchtendes, und dieses Leuchten färbt am Anfang oft auf einen selbst ab, weil man spürt: Hier geht es nicht um irgendeine Idee, sondern um etwas, das seinen Ursprung in Gott hat.
Doch dieses Gefühl hält selten lange an. Je mehr Zeit vergeht, je mehr sich der Alltag dazwischenschiebt, desto mehr verliert dieses Leuchten an Kraft. Das, was einmal so klar wirkte, wird schwerer, unübersichtlicher, und irgendwann steht man an einem Punkt, an dem man sich eingesteht, dass das, was Gott da gesagt hat, nicht nur groß, sondern menschlich gesehen kaum umzusetzen ist.

Ein Blick in die Bibel zeigt allerdings, dass diese Veränderung kein Ausnahmezustand ist.
Die Männer und Frauen, denen Gott einen Auftrag anvertraut, reagieren nicht mit Begeisterung oder mit dem Gefühl, endlich angekommen zu sein. Viel häufiger sieht man Menschen, die den Kopf schütteln, ablehnen – zunächst.

Jeremia steht an solch einem Punkt: Er schaut auf sich selbst und kommt zu einer Einschätzung, die aus seiner Perspektive vollkommen logisch ist: zu jung, nicht geeignet, such dir jemand anderen. Es ist kein Aufbegehren, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was er sieht, wenn er auf sich selbst blickt.
Was überrascht, ist Gottes Reaktion auf die Ablehnung.
Er geht nicht in die Argumentation, er versucht nicht, Jeremia von sich selbst zu überzeugen, sondern verschiebt den Blick auf eine Weise, die alles verändert: „Ich bin mit dir“.
In diesem Versprechen liegt alles, was Jeremia braucht.
Und mit einem Mal geht es nicht mehr um die Frage, ob er geeignet ist, sondern darum, ob er bereit ist, dem zu vertrauen, der ihn sendet.

Dieses Muster wiederholt sich.

Gideon ist nicht auf der Suche nach einem Auftrag, sondern eher damit beschäftigt, unauffällig zu bleiben. In dieses Lebensprofil meldet sich Gott zu Wort. „Starker Held“, spricht er ihn an. Eine Beschreibung, die der Realität spottet. Andererseits verrät diese Anrede das, was Gott in dem jungen Gideon sieht.
Es scheint, als würde Gott Menschen ansprechen, die sich selbst nicht in dieser Rolle sehen.
Und genau hier beginnt Berufung.
Nicht dort, wo alles passt, sondern dort, wo man weiß, dass die eigenen Möglichkeiten niemals ausreichen.
Ein normales Verhalten in dieser Situation? Ausweichen. Ablehnen. Diskutieren.
Wie Mose es getan hat.

Mose ringt genau damit. Er versucht auszuweichen, argumentiert, sucht Gründe, den Auftrag nicht annehmen zu müssen, und kommt irgendwann an den Punkt, an dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Und dann sagt er diesen einen Satz, der alles bündelt: Wenn du nicht mitgehst, gehe ich nicht.
Von hier aus verschiebt sich etwas Entscheidendes. Der Blick löst sich langsam von der eigenen Fähigkeit und richtet sich auf das, was Gott zusagt: „Ich bin mit dir!“

Nicht nur am Anfang, nicht nur in den Momenten, in denen es funktioniert, sondern auch dann, wenn die Beine schlottern, das Konto in den Dispo rutscht, sich Freunde zurückziehen, der erwartete Erfolg ausbleibt. Wenn Stimmen von außen – und irgendwann auch die in uns selbst – anfangen, den Weg und das Tun infrage zu stellen.

Berufung verliert an dieser Stelle ihren Glanz.
Gehen wir den Weg im Vertrauen dennoch weiter, gewinnt sie an Tiefe. So wie unser Glaube.

Am Anfang steht die Begegnung mit Gott, nicht die Idee, nicht der Wunsch, etwas Bedeutendes zu tun. Und danach beginnt ein Weg, auf dem vieles offen bleibt: der Ausgang, der Erfolg, die Wirkung.
Man kann planen, man kann sich vorbereiten, man kann alles geben – aber das Entscheidende entzieht sich der eigenen Kontrolle.
So war es schon immer, und so wird es bleiben.

Wie damals – nein, wie immer – ist es notwendig, die eigene kleine Hand in Gottes große zu legen. Genau hier wird Vertrauen konkret. Vertrauen zeigt sich darin, dass wir trotzdem weitergehen, obwohl nicht alles geklärt ist, obwohl Fragen bleiben, obwohl der nächste Schritt keine Sicherheit bietet.
Nicht, weil alles verstanden wurde, sondern weil da ein Ruf war, der geblieben ist.
Und während man geht, während man ringt, während man versucht, diesem Ruf treu zu bleiben, geschieht etwas, das sich 
nicht herstellen lässt.

Gott wirkt.
Nicht, weil man stark genug ist sondern weil er es versprochen hat.

In diesem Sinne… bleibt dran!


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