Planen, während die Welt brennt
In unseren Planungen sind wir längst in 2027 angekommen. 2028 steht schon irgendwo am Rand unseres Denkens, als würde es nur darauf warten, dass wir es endgültig hereinholen. Dabei ist dieses Jahr noch nicht einmal zur Hälfte vorbei. Es ist ein merkwürdiges Gefühl – fast, als würde man auf etwas bauen, das gleichzeitig unter den Füßen in Bewegung ist.
Manchmal frage ich mich, ob das nicht völlig absurd ist, zu planen, als gäbe es keine Krisen, als würde draußen nicht längst etwas ins Rutschen geraten. Dieselpreise, die jede Vernunft sprengen. Kriegsangst, die sich lautstark und hartnäckig in Gespräche schiebt. Eine Unsicherheit, die bleibt, selbst wenn man sie nicht ausspricht. Und wir sitzen an unseren Tischen, machen Entwürfe, denken weiter, ziehen Linien in die Zukunft.
Heute Morgen wird mir etwas deutlich. Meine Realität trifft auf die von Paulus. Ich lese im Neuen Testament und plötzlich verstehe ich mehr als nur seine Worte – und beginne, meine eigenen Schritte neu zu sehen.
Da sitzt dieser Paulus in Korinth und schreibt an die Christen in Rom. Kein glatter Text, eher ein Ringen, ein Vorwärtstasten in Worten. Er spricht von seinen Plänen, davon, dass er sie endlich sehen will; dass Rom nicht das Ziel seiner Reise sein soll, sondern nur eine Zwischenstation. Spanien liegt vor ihm, offen wie eine Tür. Aber bevor er sich endlich auf die Reise nach Italien macht, muss er noch nach Jerusalem: Hilfe bringen für Menschen, die mitten in einer Hungersnot stehen.
Und er plant das alles ohne die Möglichkeiten, die wir heute für Reisen und Kommunikation haben.
Spanien wird er nie erreichen.
Rom schon. Aber nicht so, wie er es sich gedacht hat. Er kommt in Ketten. Und trotzdem bleibt etwas von diesen Plänen stehen, nicht als gescheiterter Versuch, sondern als Teil eines größeren Weges, den er selbst nie ganz überblickt hat.
Vielleicht ist genau das der Punkt.
Mit FACES planen wir weiter. Nicht, weil alles sicher ist, sondern weil Stillstand keine Option ist. Wir gehen weiter. Im Herbst findet in Graz die nächste große Ausstellung statt. Danach gehen unsere Gedanken bereits in den Süden unserer Republik; wenn die Zeit dafür ausreicht, besuchen wir auch noch den äußersten Norden. Es sind keine perfekten Linien, eher Skizzen, die sich verändern dürfen, während wir sie zeichnen.
Und über allem steht dieses eine Gebet von Jesus Christus, das man schnell spricht und oft nicht wirklich versteht: „Dein Wille geschehe“.
Wenn man ehrlich ist, liegt darin mehr Sprengkraft, als einem lieb ist. Denn es verschiebt alles. Plötzlich geht es nicht mehr darum, wie gut unsere Pläne sind, sondern ob wir bereit sind, sie wieder loszulassen.
Ich hatte für dieses Frühjahr klare Vorstellungen. Listen, Ziele, sauber durchdacht, schön formuliert – mit einem Datum versehen. Es sah gut aus auf dem Papier. Und dann kamen die Krankheiten; Unfälle, die nichts gefragt haben. Tage, an denen Bewegung plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr war.
Die Liste liegt noch irgendwo. Aber sie hat ihr Gewicht verloren.
„Dein Wille geschehe“ – das ist kein Zusatz am Ende eines Gebets, kein höflicher Abschluss. Sondern ein Loslassen. So, als würde man die eigenen Pläne dem heiligen Gott mit offenen Händen ausbreiten, ohne zu wissen, was bleibt und was geht.
Paulus hat Spanien nie gesehen. Aber das Evangelium ist dort angekommen. Andere sind gegangen. Menschen, die er nie kannte, die aber längst Teil von Gottes Plan waren.
Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung dieses Gebets.
Wer es spricht, gibt Kontrolle und Pläne ab. Ist bereit, eigene Erwartungen hinten anzustellen. Und geht los, auch wenn nicht alle Bedenken ausgeräumt sind.
Tatsache ist: Wer das Gebet ausspricht, muss damit rechnen, dass Gott ihn beim Wort nimmt.




