Wenn Jesus zu langsam ist

Die Wand ist komplett verspiegelt. Ich sehe jeden Schweißtropfen, der mir von der Stirn läuft. Ich keuche und halte mich an den Armen vom Crosstrainer fest.
Ich mag keine Spiegel. Nicht im Gym. Doch dieses Mal retten sie eine ältere Lady vor einem Fuß- oder Armbruch. Oder Schlimmerem.

17. Februar 2026

Die Wand ist komplett verspiegelt. Ich sehe jeden Schweißtropfen, der mir von der Stirn läuft. Ich keuche und halte mich an den Armen vom Crosstrainer fest.
Ich mag keine Spiegel. Nicht im Gym. Doch dieses Mal retten sie eine ältere Lady vor einem Fuß- oder Armbruch. Oder Schlimmerem.

Ich beobachte sie schon eine Weile. Dank Spiegel.
Sie geht auf dem Laufband und spielt mit dem Display. Das Laufband wird schneller. Sie auch. Die Lady tippt schon wieder auf die Tasten. Das Band wird noch schneller. Wie ihre Finger, die übers Display rauschen. Inzwischen dürfte das Band die Zehn-Kilometer-Marke erreicht haben. Ihr bleibt gar nichts anderes übrig, als auf ihren dünnen Füßen dem Band mitzuhalten. Im Spiegel sehe ich die Panik in ihren Augen, und schon schreit sie atemlos durch den Raum: „Hilfe! Hilfe, ich kann nicht mehr!“

Eins ist klar: Bis ich bei ihr bin, ist es zu spät. Also brülle ich:
„Roter Knopf! Drück den roten Knopf!“

Mit letzter Kraft donnert die Lady auf die Mitte des Displays, auf dem ein fetter roter Knopf genau in der Mitte sitzt.
Das Laufband kommt zum Stehen.
Die ältere Lady wankt vom Band und setzt sich auf die Hantelbank.
„Danke“, flüstert sie immer wieder. „Danke, vielen Dank.“

Auf dem Weg Richtung Himmel liegen viele Verletzte neben dem „Laufband“:
Da läuft alles gut im Leben. Zu gut. Und schon fängt es an, einen in den Fingern zu jucken. Ein bisschen mehr geistliche Erfahrung wäre an der Zeit, dazu ein paar coole Wunder, ein bisschen mehr Öffentlichkeit oder gar eine Führungsrolle!

Und so kommt auf dem Weg hinter Jesus dieser fatale Moment der Selbstsicherheit: Aus einem Hinterhergehen wird ein genervtes Kopfschütteln. Hätte man eine Hupe, würde man sie benutzen — wie hinter einem schleichenden Auto. Man fängt an nachzuhelfen, gibt dem guten Hirten innerlich die Lichthupe, setzt den Blinker und überholt schließlich. Mehr Tempo, mehr Wirkung bitteschön. Schließlich will man ja auch etwas leisten, damit andere sehen, wie gut man unterwegs ist.

Und weil das am Anfang funktioniert, beschleunigt man noch mehr. Und noch einmal.
Bis die Panik das Gesicht einfriert.

Von außen sieht das extrem engagiert aus. Und wenn dann noch die Cheerleader ihre bunten Puschel wedeln und dir zujubeln, drückst du noch einmal aufs Display.
Wird die Lage unübersichtlich, reagieren wir alle gleich: mehr Planen, mehr Drücken, mehr Hektik.
Aber … das hilft alles nicht. Dein Chefsessel wird zum Schleudersitz — und alles endet im Crash.
Wohl dem, der dann noch den Mut hat, nach Jesus zu rufen.

Der sagt in der Gute-Hirte-Geschichte:
„Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.“ (Johannes 10,27)

Nicht: Sie rennen vor mir.
Nicht: Sie beschleunigen meinen Weg.
Nicht: Sie geben das Tempo vor.
Sie bleiben nah genug, um noch zu hören.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich auf dem Weg hinter Jesus zu verheddern. Manchmal geht es harmlos aus, oft bringt es Verletzungen mit sich.
Aber: Jesus läuft nicht ohne dich weiter. Klar, es ist peinlich und kostet Überwindung. Andere sind Zeugen deiner Überheblichkeit und sehen, wie es dich verspult. Doch was andere sagen oder denken, spielt keine Rolle. Und denk nicht an die Cheerleader — die schmachten längst einen anderen an. Es geht um dich; um deine Wiederherstellung; um deinen Weg in den Himmel.

Deshalb: Lass dich vom guten Hirten wieder aufs Laufband stellen.
Und lass die Finger vom Display 😅


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