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Wenn's mal wieder länger dauert ...

Grüße aus dem superfrommen Mobil. Ich stehe in der Nähe von Stuttgart. Eins ist jetzt schon sicher: Die nächsten Beiträge gibt’s mit Untertiteln – yes we can! Alles außer Hochdeutsch 

Einen Steinwurf entfernt (also für Typen, die sich bei den Bundesjugendspielen immer die Ehrenurkunde abgeholt haben …) gibt’s den Plattenladen, in dem der junge Meyerhöfer abhängte.
Nachtrag: Dort WAR der Plattenladen. Jetzt steht da ein schmaler hoher Betonklotz mit Mini-Balkonen, die alle gleich aussehen.

Zurück in die Vergangenheit: Seinerzeit wusste ich immer, wann meine Lieblingsbands ihre neuen Platten veröffentlichten. Dann gab’s für mich kein Halten mehr. Schnell in den Laden, Geld auf die Theke und ab nach Hause – Kopfhörer auf die Ohren und abtauchen.

Heutzutage ist von diesem Warten nichts mehr übrig. Nein, kein Vorwurf. Schließlich streame ich auch, nutze Spotify samt anderen Anbietern. Gibts ne Neuerscheinung, ploppt sogar ne Mitteilung aufs Telefonscheibchen (meine Zustimmung vorausgesetzt).
So läuft das heute. Alles zack zack. Ganz ohne die Vorfreude auf den berauschenden Duft der Plastikfolien, die den kostbaren Inhalt schützen; keine Aufkleber, auf denen mit schwarzem Filzstift der Name der Band steht. Kein Rennen zurück zum Bus, um den Schnellsten zu erwischen. Und wenn’s regnet, wird der kostbare Schatz in den Anorak eingewickelt. Selber nass werden? Logo, Hauptsache, die Platte bleibt trocken.

Manche Speaker auf den frommen Bühnen dieser Welt reden so, als ob’s kein Warten gäbe. Sie erzählen von einem Gott, der nur darauf zu warten scheint, bis wir unseren Wunsch ausgesprochen und er ihn ins Leben streamen darf. Einmal gesagt, drückt der himmlische Vater den Start-Button. Der Himmel johlt und unter tosendem Beifall schwebt das Wunsch-Produkt in unser Leben.
Unmögliches wird innerhalb von 48 Stunden möglich gemacht.
Geht nicht gibt’s nicht.

Tatsächlich passiert das manchmal. Wirklich! Da ist’s „Amen“ noch Backstage (also hockt auf unserer Zungenspitze), und schon ist sie real – die Gebetserhörung.
Kommt vor. Ist aber die Ausnahme.

Stattdessen laufen wir eine Extrarunde nach der anderen. Wie der Langläufer beim Biathlon, der seine Schüsse neben die Scheibe setzt. Ab zur Strafrunde. Und noch eine. Und noch eine.

Im Alten Testament gibt’s zum Thema „himmlischer Zeitplan“ einen sensationellen Hinweis – und der kommt von Gott höchstpersönlich.

Da ist das Volk – euphorisiert ob des grandiosen Auszugs aus Ägypten. Es will auf dem schnellsten Weg ins gelobten Land. Natürlich problemlos und ohne großen Aufwand.
Doch Gott sagt: „Nope!“

Stattdessen lässt er sie einen heftigen Umweg machen. Seine Begründung: Kürzester Weg = kriegerische Auseinandersetzung. Krieg = Wahnsinn. Wahnsinn = Unglaube. Unglaube = Umkehr zum Pharao. Knechtschaft statt Freiheit.
Um sein Volk zu schützen, lässt er sie eine Extrarunde drehen.

Ob’s seinerzeit schon Bühnen für fromme Speaker gab? Ich weiß es nicht. Aber die Stille Post ist in Sachen Geschwindigkeit auch nicht zu verachten – Fake News inbegriffen.
Und die Querdenker-Vereinigung machte auch von sich reden: Protestaktionen für kurze Wege, Appell  an den gesunden Menschenverstand, Unterschriftenaktionen zur Abwahl des unsichtbaren Gottes.
Nichts Neues unter der Sonne.

Damals wie Heute:
„glauben“ und „vertrauen“ sind schwere Worte. – dann, wenn unser Gott nicht in dieser Zuverlässigkeit liefert wie der Pizzabäcker unseres Vertrauens.
Doch gerade in dieser Hängepartie – zwischen Hoffen und Bangen, Festhalten und Loslassen …  stellt sich heraus, ob ich Gott zutraue, dass sein Zeitplan mir zum Besten dient.
Ein Warten, in nichts zu vergleichen mit dem Teenie-Thomas aus früheren Tagen, als der auf die neue LP seiner Lieblingsband wartete.