Geschichten

Die Lounge ist gut gefüllt. Ich lass´ mich in den letzten freien Ledersessel fallen und zerre den Laptop aus der Tasche. Mir bleibt eine Stunde bis zum nächsten Date. Also: Zeit zum Schreiben. Noch ein kurzer Rundumblick, während der Rechner hochfährt: Gegenüber hockt ein Typ und starrt mir ins Gesicht.

Die Duschwand in unserem Badezimmer ist neu. Genauer gesagt: zwei Wochen alt. Der Handwerker unseres Vertrauens gab sein Bestes, trotzdem wackelt das Teil wie der Schwanz von Kuh Elsa. Warum? Weil in der Monsterverpackung ein kleines, aber wichtiges Teil fehlte: die Eckstrebe. Und so wird jeder Duschgang zum persönlichen Abenteuer: Hält das Teil oder bricht's in sich zusammen?!?

Muss ich mir Sorgen machen? Mir einen Termin beim Arzt holen? Vergangene Woche stand ich im falschen Imbiss und nervte mich über die drei vom Grill, weil die (angeblich) meine Bestellung nicht abgearbeitet hatten. Gestern dann der nächste Flop:

Meine Frau hatte eine sechsstündige Autofahrt hinter sich: kurz vor der tschechischen Grenze bis zu uns nach Hause. Dementsprechend geschafft stand sie vor der Haustür. Um ihr eine Freude zu machen (und mir natürlich auch ...) bot ich ihr an, das Essen beim Anbieter ihrer Wahl zu bestellen und zu holen. "In zwanzig Minuten können Sie kommen", versprach mir die freundliche Lady am Telefon.

Seit ich denken kann, schreibe ich Geschichten. Meine Lehrer aus der Grundschulzeit verzweifelten an meinen Aufsätzen. „Unleserlich!“, kritzelten sie mit roter Tinte an den Rand des Heftes. Aber bitte … - wer schafft es, in einer Schulstunde eine halbwegs spannende Geschichte aufs Papier zu bringen?!? Keiner. Da hilft nur Geschwindigkeit. Womit wir wieder bei den überforderten Lehrern sind.

Vergangenen Mittwoch fing es wieder an. Ich weckte das superfromme Mobil aus dem Winterschlaf und drehte eine Runde, um mich wieder an die Ausmaße zu gewöhnen. Außerdem hat Peter im November eine Dieselheizung eingebaut. Es gibt eine dicke Beschreibung, aber … wie so oft … fehlt die Zeit, um sich genauer damit zu beschäftigen.

Fürs nächste Projekt muss ich tief in meine Vergangenheit eintauchen. Um dorthin zu gelangen, hilft in meinem Fall kein Quantenbeschleuniger. Ich muss ausgraben, buddeln, anschauen und verwerfen. Meine Ausgrabungsstelle ist der Dachboden; dort stehen die Kartons voller Filmstreifen - Schwarz-weiß-Negativ.

„Wieso hast du ein Gerhard-Tattoo“, wollte ich von Jenni wissen. „Ist das der Name deines Opas?“ Die Fragen in ihrem Kopf rotierten - ihre Augen flimmerten. „Welcher Gerhard?“, hakte sie nach. „Dein Tattoo!", sagte ich schnell. "Auf deinem Unterarm - dort steht doch Gerhard, oder?! ?“

Dass sich Gott mitteilt, wissen wir spätestens seit dem Lesen der Bibel: Engel, Stimmen, Sturmwind, Tiere - die Übermittlung des göttlichen Willens ist grenzenlos. Selbst in die Träume schafft’s der Herr der Heerscharen. Daran hat sich bis heute nichts verändert.

Als ich mich vor gefühlt 150 Jahren mehr recht als schlecht durch meine Schulzeit kämpfte, musste ich mir von meinen Kollegen dieses Statement gefallen lassen. Und warum? Dreieckige Mr. Spock-Ohren? Zwei Nasen im Gesicht? Antennen auf dem Kopf? Nope.

Es ist eine Metapher, die Buddha zugeschrieben wird: Ein erste Pfeil kommt angezischt und trifft uns mitten im Leben: Krankheit, Leid, Schuld, Kränkung. Oder ein positiver PCR-Test, der unsere Pläne über den Haufen schmeißt. Und dann gibt's da noch den zweiten Pfeil.

Es war einmal eine Epoche, in der es angesagt war, dass Trainer, Coaches und Motivationsmenschen an ihre Kursteilnehmer folgende Frage stellten: „Was soll auf deinem Grabstein stehen?“

Man hört’s hin und wieder: „Der Glaube ist ein Geschenk!“ Ok. Will mir jemand eine Freude machen und schenkt mir bunte Socken, dann fällt die Begeisterung in Richtung Nulllinie. Ein Satz roter Schraubendreher bringt mich auch nicht zum Jubeln.

In diesen Tagen geht’s ums Planen fürs kommende Jahr. Logo: Auch bei Pfarrern / Predigern / Preachern (come on!) schafft’s dieses Thema auf die Kanzel / aufs iPad / ins iPhone.

Alles klar fürs neue Jahr? Bei mir schon. Ich habe keine Ahnung, was auf mich zukommt. Gott hat auch mir den Blick in die Zukunft verwehrt; der Vorhang bleibt unten und ich stehe immer noch im Nebel der Ahnungslosigkeit. Damit kann ich sehr gut leben. Tatsächlich.

155 superfromme Sendungen in drei Jahren! In Worten: hundertfünfundfünfzig. Das ist unglaublich!

Wir sitzen am Tisch, vor uns dampft das Mittagessen und wie immer gibt’s das Dankgebet an den Schöpfer und Versorger. Nach dem „Amen“ erwidert Siri laut und deutlich: „Gern geschehen!“

Unten auf der Straße brüllt einer. Das klingt ganz und gar nicht nach Singsang und Gefeier. Eher nach Schmerz und Schläge. Mindestens.

Wir hocken am Frankfurter Flughafen und warten darauf, bis sich endlich Gate 20 öffnet. Bis zum Boarding sind’s noch 45 Minuten.

Morgen ist unser Rückflug geplant. Aus dem Kühlschrank grüßt schon jetzt die Stille. Doch weil auch am Abreisetag die Erdbeermarmelade auf mein Frühstücksbrötchen gehört, drängt‘s mich noch einmal in die City. Gegenüber vom Kongresszentrum gibt es einen kleinen Supermercado. Und der hat den gewünschten Brotaufstrich.

Er ist zwei Jahre alt und liebt das Singen. Hat mein Enkel einen neuen Song auf Lager, muss ich ihn anhören. Vergangene Woche war’s wieder so weit: Astrein intoniert mit kleinen altersbedingten Textverwaschungen versehen:„Beißet den Herrn, beißet den Herrn, beiiiiissseett den Herrn!“ Alles klar, wunderbar! Und wie.

Ein Kurzurlaub. In Österreich. Das Zimmer ist super, der Himmel über den verschneiten Berggipfeln explodiert im Postkartenblau. Die Stimmung könnte nicht besser sein.

An der Rezeption vom Hotel muss ich noch Name, Anschrift, Kennzeichen vom Auto und Telefonnummer hinterlegen. Für die Unterlagen …
„Zimmernummer?“, fragt die bedirndelte Dame hinterm Tresen.
„007“, sage ich wahrheitsgemäß.
Ihre…

Der Autobahnabschnitt zwischen Aschaffenburg und Gießen gehört zu meinen Favoriten. Weil: kaum Verkehr, kein Stress, kein Stau. Freie Fahrt für genervte A99 und A9 und A3 – Geschädigte. Vielfahrer wissen: Die Strecke Salzburg-München-Nürnberg-Würzburg ist ein NO-GO. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Vor gefühlt fünftausend Jahren … als der junge Thommy M in Uniform seine Mitbürger schützte, nachts durch Stuttgarts Straßen streifendienste; große Parks durchwanderte, weil in den zurückliegenden Monaten viele sexuelle Übergriffe gemeldet wurden; zusammengepfercht mit seinen Kollegen in dunkelgrünen Mannschaftswagen hockte, um bei schweren Ausschreitungen die eskalierte Lage wieder zu beruhigen …

Vergangene Woche demonstrierten wieder Hunderttausende auf den Straßen unserer Republik, um auf den fortschreitenden und immer schneller werdenden Klimawandel aufmerksam zu machen. Greta Thunberg, Frontfrau der FFF-Bewegung, stand auf der Bühne vor dem Reichstag in Berlin und wiederholte ihre eindringliche Message: „Ohne schnelles Handeln haben wir keine Zukunft!“

In den zurückliegenden 14 Tagen befand ich mich tagsüber hauptsächlich auf der Couch. Grippe. Sowasvon. Was geht also, wenn nichts mehr funktioniert? Richtig, die Fernbedienung vom TV. Und?

Ihre Augen funkeln vor Glück! Sie lacht laut und drückt den Joghurtbecher an die kleine Brust. Mama hat ihr gerade das allerallerallergrößte Geschenk gemacht: Den Fruchtjoghurt. Keinen x-beliebigen, sondern den mit der Paw-Patrol Figur im Becher. Die Kleine jubelt und jauchzt. Definitiv: Sechser im Lotto. Ein tolles Kind!

Minuten später entdecke ich Mama und Kind schon wieder. Die beiden warten…

„Und wie geht’s?“, fragt mich ein Bekannter vor dem Edeka. Er lehnt lässig über seinem Einkaufswagen und zieht sich ein Croissant aus der Papiertüte.
„Alles gut!“, antworte ich und könnte mir eine verpassen. Ich hätte genauso antworten können:
„Gut, dass du fragst! Mein Magen spinnt seit Wochen, ich leide unter Durchfall und außerdem weiß ich gar nicht mehr wohin mit meinen Gedanken. Es ist alles…

Unfähig!

Ein paar Worte genügen für einen heftigen Flashback:
Im Bücherregal steht ein altes Notizbuch. Ich greife danach, blättere durch die Seiten und ein Papierfetzen fällt zu Boden. Ich hebe ihn auf und starre auf die Zeichnung. Was heißt Zeichnung … es sind Striche. Gekrakel. Unsichere Kreise.
Nichts besonderes… wenn… ja wenn da nicht diese Anmerkung am rechten oberen Eck stehen würde: Das…

Freitagmorgen kurz nach acht. Der Campingplatz liegt da wie ausgestorben. Selbst die Hunde schlafen noch im Vorzelt.

Ich schlurfe mit dem Geschirr vom Vorabend in Richtung Waschhaus und staune nicht schlecht: Fünf von sechs Spülbecken sind in Benutzung; braun gebrannte Männer in meinem Alter beugen sich über Teller und Pfannen. Keiner spricht.
Also schweige ich auch und stelle mich an den einzig…

ZU LAUT

Viele Grüße von einem Campingplatz in Frankreich, auf dem der Bär steppt: In Sichtweite brüllt ein Animationsheinz in sein Mikro. Vor der Bühne hüpfen Teenies und Jugendliche, werfen ihre Arme in die Höhe und zappeln bis zum Umfallen. Es ist kurz nach zwölf. Mittags …

Keine Ahnung, was dort drüben abgeht. Mein französich ist mangelhaft. Außerdem dröhnt die Lautsprecheranlage hoffnungslos…

Seinerzeit, damals im digitalen Steinzeitalter, musste der kleine Thommy M einmal im Monat Oma und Opa besuchen. Zwei herzallerliebste Menschen. ABER: Sie wohnten dreißig Kilometer entfernt in der Großstadt. Soll heißen: Dreißig Kilometer im Auto. Hinterm Fahrer. Rücksitz.
Gab’s Fenster zum Runterkurbeln? Natürlich nicht.
Nach allerhöchstens fünf Kilometern brüllte der kleine Thommy M von hinten:

Sie hockt in der Sonne und hält eine rosa Tasse in der Hand. Ich bin auf der Suche nach ansprechenden Motiven, quatsche sie an, setze mich zu ihr und wir erzählen aus unseren Leben.

Sie spricht davon, wie sie ihren Bürojob nach zwanzig Jahren an den Nagel gehängt und etwas völlig Neues begonnen hat.
„War nicht einfach und ist es heute noch nicht“, flüstert sie fast.
„Bereust du’s?“, frage ich…

Eine Jugendgruppe organisierte einen Abenteuerurlaub – quer durch Griechenland. Sie brauchten einen, der ihnen täglich ein kurzes Kapitel aus der Bibel erklärte.

„Würdest du das machen?“, fragte mich der Leiter und dachte, dass dies Anfrage lediglich eine Formsache sei. „Kostenloser Urlaub, komm, das wird cool!“

„Mit dem Schiff?“, hakte ich nach.

Er nickte.

„Du meinst, wir sind eine Nacht auf…

„Du kannst nie tiefer als in Gottes aufgehaltene Hand fallen.“
Zu diesem Schluss kommt die Weltenbummlerin Margot Flügel-Anhalt. Nachzulesen in ihrem Buch „einfach abgefahren“.
Hinter ihr liegen über 18.000 Kilometer, die sie mit einem alten Mercedes Benz zurückgelegt hat. Von Nordhessen bis nach Laos – eine Strecke, auf der sie nicht nur einmal an persönliche Grenzen kam. Gefängnis inbegriffen.

Drei Wochen sind seit der letzten Tour vorübergeflogen.
Zeit zum Durchschnaufen blieb nicht. Die Tage waren vollgestopft mit Reisevorbereitungen, neue Filme produzieren und Equipment testen.

Die meisten Vorbereitungen sind (außerordentlich) positiv abgeschlossen. Das superfromme Mobil scharrt mit den Reifen, die Kameras wollen endlich wieder Geschichten aufzeichnen und wir sind damit beschäftigt,…

„Überhaupt kein Problem. Wir passen Ihren Vertrag an, Sie buchen die Family-Card und haben dann vollen Zugriff auf beide Optionen!“

Ich verstehe kein Wort. Das ist nicht deutsch, sondern magentisch.

„Wie jetzt?!?“, frage ich nach und komme mir vor wie der größte Depp.

„Ha ha ha!“, lacht der junge Mann aus dem lilafarbenen Callcenter. „Schon klar, aber das wird. Wir schicken Ihnen den Vertrag…

„ALLE ANDEREN MACHEN DAS AUCH!!!“ … – ein Generationenspruch. Definitiv.

 

Der muss nicht antrainiert, nicht im Web entdeckt oder auf YouTube viral gehen.

Dieser Spruch ist in unserer DNA verbaut und spätestens im Prä-Teenie-Alter stampfen wir im Takt dazu: „Alle anderen machen das auch!!“

 

Und was sagen die Erwachsenen? :

„Mir egal, was andere dürfen.“

Diskussion beendet.

In den meisten…

Es waren die jungen Jahre des Thommy M – Polizist in Ausbildung:

 

Seinerzeit stand ein mehrtägiges „Manöver“ auf dem Lehrplan: zelten, marschieren, in den Dreck werfen, aufstehen und wieder in den Dreck schmeißen. So Zeug halt, das man aus Filmen kennt.

„Volle Deckung Marsch Marsch!!“ brüllte der Ausbilder und wir lagen in der Pfütze. Vielmehr: Schafscheiße. Denn idealerweise hatte sich der…

Es ist heiß und stickig. Hinter der Coronascheibe hockt eine ältere Dame auf ihrem Bürostuhl. Sie stiert über ihren Brillenrand in den Monitor, als ob dort die Lösung für ihr Problem stehen würde.
„Der § $%§$ Drucker will wieder nicht!“, schimpft sie und schüttelt den Kopf.
Der Typ vor mir atmet laut auf. Der zickige Drucker macht keine Anstalten. Er hat keinen Bock oder keinen Anschluss oder kein…