Geschichten

31. Januar 2023

Wir hocken im Ess-Büro-Kreativ-Ausruhzimmer unserer Freunde. An der einen Wand steht eine Couch, auf der ich herumlümmle. Ohne Schuhe, versteht sich. Mir gegenüber lehnt sich ein Schrank an die Tapete. An den Inhalt kann ich mich nicht mehr erinnern. Nur an den hölzernen Engel, der ganz oben auf dem Möbelstück thront … den werde ich nicht vergessen.

17. Januar 2023

Heute fahre ich mit Theo zu seinem Lieblingsbäcker. Er kann es kaum erwarten, drängelt an der Haustür und scheppert mit meinem Schlüsselbund.

27. Dezember 2022

Ich kann mich nicht sattsehen: Außerhalb vom Flugzeug spielt die Sonne mit fetten Wolkentürmen. Die Strahlen tauchen die Welt in eine grandiose Mischung aus Lila und Hellrosa.

13. Dezember 2022

Es gibt Menschen, die das Gegenteil behaupten. Sie sagen, es wäre ein Zeichen von Schwäche, wenn man seinen Posten aufgibt. Sie behaupten mit schwerer dunkler Stimme die Notwendigkeit des Durchhaltens - auch dann, wenn das den Tod bedeutet.

06. Dezember 2022

Es krächzt im Lautsprecher. Zuerst bröseln ein paar unverständliche Sätze durchs Flugzeug, dann übertönt die Stimme des Piloten das Rauschen: "Liebe Fluggäste, demnächst kann es zu Turbulenzen kommen. Bitte begeben Sie sich zurück an Ihren Platz und schnallen sich wieder an. Der Verkauf von Getränken wird in dieser Zeit eingestellt. Danke!"

29. November 2022

Heute gibt‘s einen etwas anderen Newsletter als in den vergangenen Wochen. Diese Woche kommt keine Geschichte … obwohl die Anfänge von superfromm wirklich erzählenswert, spannend und manchmal unglaublich sind.

22. November 2022

In meinem Zimmer steht ein schmaler Blechschrank. So einer, den man beim Einzug an die Wand schiebt und dessen einzige Aufgabe darin besteht, Schlümpfe aus Überraschungseiern und Fotos mit Eselsohren zu bewachen.

15. November 2022

Auf dem Gehweg stehen zwei Jungs und zoffen sich. Über ihren Köpfen schwebt unsichtbar und doch für alle ersichtlich der Schriftzug „du nervst wie Sau!“

08. November 2022

Es geht mir bestens: Atmung perfekt, der Puls liegt bei 72 und meine Watch bestätigt mir, dass ich null Anzeichen von Vorhofflimmern habe.

01. November 2022

Es ist Donnerstag Morgen und ich starre auf den Schnelltest vor mir.

25. Oktober 2022

Manche Kommentare beamen mich weg. Ansatzlos und ohne Vorwarnung befinde ich mich in einer anderen Welt. Oder im Himmel. So wie vor ein paar Tagen: Ich habe dieses Statement unterm superfrommen Film mit Elias gelesen.

Elias, das muss man wissen, sitzt im Rollstuhl. Er schafft es gerade so, seinen Kopf und seine Finger zu bewegen. Für alles andere braucht er Helfer: menschliche Assistenten und…

18. Oktober 2022

„Ich bin echt am Überlegen, was mir der Glaube noch bringt. Es passiert nichts und Gott redet auch nicht mit mir!“

04. Oktober 2022

In den vergangenen Monaten war es seeehr ruhig im Atelier. Wir waren unterwegs, haben Tausende von Kilometern zurückgelegt und viele Geschichten gehört.

27. September 2022

Ich sitze auf einem schwarzen, unbequemen Patientenstuhl. Der könnte auch ansatzlos als Bürostuhl durchgehen, aber weil er im Behandlungszimmer eines Arztes steht, ist es eben ein Patientenstuhl. Der Patient bin ich.

Wenn wir mit dem superfrommen Mobil zum ersten Mal auf einen Campingplatz fahren, schauen uns die Camper hinterher. Das liegt zum einen daran, dass Camper immer wissen wollen, wer da mit seinem Mobil oder Wohnwagen die schmale Teerstraße entlangzuckelt.

Keine zwanzig Meter von mir dreht sich ein langes, schlankes Holzboot im Kreis. An dieser Stelle ist der Seitenarm vom Neckar ziemlich schmal und deshalb rammt der Kahn immer wieder die eine Uferseite, dann die gegenüberliegende.

Es ist Samstagnachmittag und ich sollte einen Artikel für den nächsten Newsletter schreiben. Stattdessen hocke ich im superfrommen Mobil und starre unentwegt aus dem Fenster. Über mir schießen Blitze durch den Tübinger Himmel. Ich bin gespannt, wann endlich die ersten Tropfen aufs Wohnmobildach fallen. Schon über sechs Wochen fahren wir durch die Republik; mal bin ich alleine unterwegs, dann…

13. April 2022

Die Lounge ist gut gefüllt. Ich lass´ mich in den letzten freien Ledersessel fallen und zerre den Laptop aus der Tasche. Mir bleibt eine Stunde bis zum nächsten Date. Also: Zeit zum Schreiben. Noch ein kurzer Rundumblick, während der Rechner hochfährt: Gegenüber hockt ein Typ und starrt mir ins Gesicht.

06. April 2022

Die Duschwand in unserem Badezimmer ist neu. Genauer gesagt: zwei Wochen alt. Der Handwerker unseres Vertrauens gab sein Bestes, trotzdem wackelt das Teil wie der Schwanz von Kuh Elsa. Warum? Weil in der Monsterverpackung ein kleines, aber wichtiges Teil fehlte: die Eckstrebe. Und so wird jeder Duschgang zum persönlichen Abenteuer: Hält das Teil oder bricht's in sich zusammen?!?

23. März 2022

Muss ich mir Sorgen machen? Mir einen Termin beim Arzt holen? Vergangene Woche stand ich im falschen Imbiss und nervte mich über die drei vom Grill, weil die (angeblich) meine Bestellung nicht abgearbeitet hatten. Gestern dann der nächste Flop:

16. März 2022

Meine Frau hatte eine sechsstündige Autofahrt hinter sich: kurz vor der tschechischen Grenze bis zu uns nach Hause. Dementsprechend geschafft stand sie vor der Haustür. Um ihr eine Freude zu machen (und mir natürlich auch ...) bot ich ihr an, das Essen beim Anbieter ihrer Wahl zu bestellen und zu holen. "In zwanzig Minuten können Sie kommen", versprach mir die freundliche Lady am Telefon.

Seit ich denken kann, schreibe ich Geschichten. Meine Lehrer aus der Grundschulzeit verzweifelten an meinen Aufsätzen. „Unleserlich!“, kritzelten sie mit roter Tinte an den Rand des Heftes. Aber bitte … - wer schafft es, in einer Schulstunde eine halbwegs spannende Geschichte aufs Papier zu bringen?!? Keiner. Da hilft nur Geschwindigkeit. Womit wir wieder bei den überforderten Lehrern sind.

Vergangenen Mittwoch fing es wieder an. Ich weckte das superfromme Mobil aus dem Winterschlaf und drehte eine Runde, um mich wieder an die Ausmaße zu gewöhnen. Außerdem hat Peter im November eine Dieselheizung eingebaut. Es gibt eine dicke Beschreibung, aber … wie so oft … fehlt die Zeit, um sich genauer damit zu beschäftigen.

23. Februar 2022

Fürs nächste Projekt muss ich tief in meine Vergangenheit eintauchen. Um dorthin zu gelangen, hilft in meinem Fall kein Quantenbeschleuniger. Ich muss ausgraben, buddeln, anschauen und verwerfen. Meine Ausgrabungsstelle ist der Dachboden; dort stehen die Kartons voller Filmstreifen - Schwarz-weiß-Negativ.

16. Februar 2022

„Wieso hast du ein Gerhard-Tattoo“, wollte ich von Jenni wissen. „Ist das der Name deines Opas?“ Die Fragen in ihrem Kopf rotierten - ihre Augen flimmerten. „Welcher Gerhard?“, hakte sie nach. „Dein Tattoo!", sagte ich schnell. "Auf deinem Unterarm - dort steht doch Gerhard, oder?! ?“

09. Februar 2022

Dass sich Gott mitteilt, wissen wir spätestens seit dem Lesen der Bibel: Engel, Stimmen, Sturmwind, Tiere - die Übermittlung des göttlichen Willens ist grenzenlos. Selbst in die Träume schafft’s der Herr der Heerscharen. Daran hat sich bis heute nichts verändert.

02. Februar 2022

Als ich mich vor gefühlt 150 Jahren mehr recht als schlecht durch meine Schulzeit kämpfte, musste ich mir von meinen Kollegen dieses Statement gefallen lassen. Und warum? Dreieckige Mr. Spock-Ohren? Zwei Nasen im Gesicht? Antennen auf dem Kopf? Nope.

26. Januar 2022

Es ist eine Metapher, die Buddha zugeschrieben wird: Ein erste Pfeil kommt angezischt und trifft uns mitten im Leben: Krankheit, Leid, Schuld, Kränkung. Oder ein positiver PCR-Test, der unsere Pläne über den Haufen schmeißt. Und dann gibt's da noch den zweiten Pfeil.

19. Januar 2022

Es war einmal eine Epoche, in der es angesagt war, dass Trainer, Coaches und Motivationsmenschen an ihre Kursteilnehmer folgende Frage stellten: „Was soll auf deinem Grabstein stehen?“

12. Januar 2022

Man hört’s hin und wieder: „Der Glaube ist ein Geschenk!“ Ok. Will mir jemand eine Freude machen und schenkt mir bunte Socken, dann fällt die Begeisterung in Richtung Nulllinie. Ein Satz roter Schraubendreher bringt mich auch nicht zum Jubeln.

In diesen Tagen geht’s ums Planen fürs kommende Jahr. Logo: Auch bei Pfarrern / Predigern / Preachern (come on!) schafft’s dieses Thema auf die Kanzel / aufs iPad / ins iPhone.

Alles klar fürs neue Jahr? Bei mir schon. Ich habe keine Ahnung, was auf mich zukommt. Gott hat auch mir den Blick in die Zukunft verwehrt; der Vorhang bleibt unten und ich stehe immer noch im Nebel der Ahnungslosigkeit. Damit kann ich sehr gut leben. Tatsächlich.

155 superfromme Sendungen in drei Jahren! In Worten: hundertfünfundfünfzig. Das ist unglaublich!

Wir sitzen am Tisch, vor uns dampft das Mittagessen und wie immer gibt’s das Dankgebet an den Schöpfer und Versorger. Nach dem „Amen“ erwidert Siri laut und deutlich: „Gern geschehen!“

Unten auf der Straße brüllt einer. Das klingt ganz und gar nicht nach Singsang und Gefeier. Eher nach Schmerz und Schläge. Mindestens.

Wir hocken am Frankfurter Flughafen und warten darauf, bis sich endlich Gate 20 öffnet. Bis zum Boarding sind’s noch 45 Minuten.

Morgen ist unser Rückflug geplant. Aus dem Kühlschrank grüßt schon jetzt die Stille. Doch weil auch am Abreisetag die Erdbeermarmelade auf mein Frühstücksbrötchen gehört, drängt‘s mich noch einmal in die City. Gegenüber vom Kongresszentrum gibt es einen kleinen Supermercado. Und der hat den gewünschten Brotaufstrich.

Er ist zwei Jahre alt und liebt das Singen. Hat mein Enkel einen neuen Song auf Lager, muss ich ihn anhören. Vergangene Woche war’s wieder so weit: Astrein intoniert mit kleinen altersbedingten Textverwaschungen versehen:„Beißet den Herrn, beißet den Herrn, beiiiiissseett den Herrn!“ Alles klar, wunderbar! Und wie.

Ein Kurzurlaub. In Österreich. Das Zimmer ist super, der Himmel über den verschneiten Berggipfeln explodiert im Postkartenblau. Die Stimmung könnte nicht besser sein.

An der Rezeption vom Hotel muss ich noch Name, Anschrift, Kennzeichen vom Auto und Telefonnummer hinterlegen. Für die Unterlagen …
„Zimmernummer?“, fragt die bedirndelte Dame hinterm Tresen.
„007“, sage ich wahrheitsgemäß.
Ihre…