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Womit ich nicht gerechnet habe

Mein Freund Viktor hat heute seinen Geburtstag gefeiert und wie bei jedem Geburtstag habe ich mir im Vorfeld Gedanken übers Geschenk gemacht. Weil ich direkt und kompromisslos wie Wyatt Earp im Angesicht seiner Feinde bin, schrieb ich ihm eine WhatsApp und fragte nach.

20. Juni 2023

„Dass du kommst, ist mir Geschenk genug!“, antwortete er keine zehn Minuten später. 
Ich kenne Viktor gut und schon lange. Deshalb weiß ich, dass es keine versteckte Ansage für „ich lass mich überraschen“ ist. 
Er meint es ernst: Ich bin sein Geschenk! 
Wie cool ist das denn!

Und weil Viktor in seiner Einladung dazu aufgefordert hat, dass jeder seinen Herzensmenschen mitbringen soll, laufen meine Frau und ich zu zweit aufs Gartengrundstück. 

Die Sonne zieht sich hinter den Berg zurück und die ersten Laternen fangen an zu leuchten. Der Duft von Currywurst wabert übers Gelände und manch einer schielt in die Küche. Dort ist die Theke aufgebaut. 

Viktor will noch etwas sagen. Er sammelt seine Freunde und Familie um sich und und spricht davon, wie glücklich er ist. Dass er es ernst meint, sieht man sofort. Hier redet jemand, der mit seiner Vergangenheit, seinem Leben im Reinen ist. Er dankt Gott für dessen Gnade, Liebe und Güte. Dann kommt er auf seine Freunde zu sprechen. 
Plötzlich nennt er meinen Namen. Er zieht mich zu sich und wir umarmen uns. Ich kämpfe mit den Tränen, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen. Es ist mir unangenehm. Einerseits. Doch die Worte meines Freundes schaffen es in meine Seele. Sie lassen mein Herz platzen. 
Nicht richtig, sonst könnte ich diese Zeilen gar nicht mehr schreiben. 

In diesen herausfordernden Zeiten ist dieses Erlebnis wie ein Sonnenstrahl im Sturm. Es weist darauf hin, dass ich nicht alleine unterwegs bin.

Am nächsten Morgen stand ich wieder im Gegenwind - aber mit einem Lächeln im Gesicht.