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Der Dönerteller

Meine Frau hatte eine sechsstündige Autofahrt hinter sich: kurz vor der tschechischen Grenze bis zu uns nach Hause. Dementsprechend geschafft stand sie vor der Haustür. Um ihr eine Freude zu machen (und mir natürlich auch ...) bot ich ihr an, das Essen beim Anbieter ihrer Wahl zu bestellen und zu holen.
"In zwanzig Minuten können Sie kommen", versprach mir die freundliche Lady am Telefon.

Als ich ankam, hatten die drei vom Grill meine Bestellung verschlampert. Der Dönermann suchte sich an seiner Magnetleiste durch die Anruferwünsche. Er zuckte mit den Schultern und entschuldigte sich: "Volle Hektik hier, Telefon klingelt ständig, tut mir leid. Bestellen Sie schnell, drei Minuten, dann fertig." Er schob mir die Speisekarte unter der Plastikwand hindurch. 
"Ist die neu?", wollte ich wissen. Der Mann am Pizzaofen nickte. "Seit Donnerstag, ganz frisch", grinste er. Long Story Short: Ich bestellte auf Verdacht. Und innerhalb von drei Minuten stand mein Essen auf dem Tresen und ich konnte nach Hause düsen. 

"Das habe ich nicht bestellt!", rief Doro und ließ den Styropordeckel auf die Pommes fallen. "Schatz, sorry, ich wusste nur noch die Nummer, die du mir genannt hast", sagte ich entschuldigend und erzählte ihr die Story von der neuen Speisekarte. Doro zog die Augenbrauen nach oben. 
Das Essen schmeckte suboptimal. Wir stocherten uns durch die falsche Mahlzeit und nervten uns über zu viel Fett. "Lass uns dort nichts mehr bestellen," bat mich Doro. Bevor ich ihr zustimmen konnte, fiel mein Blick auf die Speisekarte. 
"Schatz," ich fing an zu stottern, "ich war beim falschen Imbissladen." Doro ließ die Gabel auf die schlappen Pommes fallen. "Sag, dass dass nicht wahr ist!", krächzte sie. 
Hin und wieder verschlägt's auch mir die Sprache. Ich erhob mich wortlos und fuhr zum (richtigen) Service. Neben der Kasse hing die Tüte mit unserer Bestellung. "Ihr Essen ist jetzt leider kalt", bedauerte die freundliche Lady und nahm das Geld entgegen. "Meine Schuld", gab ich zu und verschwand nach draußen. 

Kopf voll, Gedanken woanders, das Leben geht weiter und wir sind - wenn überhaupt - nur mit halber Kraft im vollen Leben. Bestenfalls verwechseln wir den Fast Food-Laden. Zweibestenfalls enttäuschen wir die Liebe unseres Lebens (wir haben hinterher darüber gelacht ;))) ). 
Schlimmstenfalls verpassen wir die richtige Entscheidung und stecken im Schlamm des Alltags fest. Und das nur, weil wir nicht bei der Sache sind.  

Und jetzt gibt's hier den perfekten Ratschlag? Dazu die passende Bibelstelle? 
Nope. Ich habe keine. 
Natürlich bräuchte ich nicht lange danach suchen: Immerhin hat Jesus uns das vorgelebt, wie im größten Stress zu verfahren ist: Rückzug, Einsamkeit, Herz ausschütten, Zwiesprache mit Gott.

Aber - ehrliches Bekenntnis: Warum schaff' ich das nicht? So ein Imbissverwechsler ist noch zu ertragen. Wir mussten dafür an zwei Tagen Fast Food einwerfen. Ist nicht prickelnd, aber es gibt Schlimmeres. 
Deshalb der Reminder an mich: Rückzug in ein stilles Zimmer, laut beten, laut die Bibel lesen. Das hilft, um nicht auf falsche Gedanken zu kommen; bewahrt vor gleichzeitigem Bibellesen UND dem Lösen von Problemen. Denn was hin und wieder im Alltag funktioniert, nämlich Multi-Tasking-mäßig unterwegs zu sein, gelingt im Gespräch mit Gott überhaupt nicht. 

Ganz davon abgesehen ist der Stress im Leben nicht vorbei: die vor mir liegende Strecke heftig und das Ziel noch lange nicht in Sichtweite.
Deshalb: Ehre, wem Ehre gebührt. Der gute Hirte ist kein theoretisches Konstrukt, das sich Work-Life-Balance-Spezialisten zurechtgelegt haben, um Überforderte für die Entschleunigung ihres Alltags zu motivieren. Diese Erfindung kommt aus dem Himmel - von dem, der weiß, wann Ruhephasen notwendig sind, um anschließend wieder aufs Gaspedal zu treten. Fürs richtige Timing braucht's allerdings die Kommunikation. Womit wir wieder beim Imbiss und der Doppelbestellung wären ...