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Hinter dem Vorhang

Muss ich mir Sorgen machen?
Mir einen Termin beim Arzt holen?
Vergangene Woche stand ich im falschen Imbiss und nervte mich über die drei vom Grill, weil die (angeblich) meine Bestellung nicht abgearbeitet hatten.
Gestern dann der nächste Flop:

Ich rannte zur Post. Meine Pakete sollten rechtzeitig auf die Reise und ich war spät dran. Fünf Minuten vor dem gelben Lastwagen überreichte ich der Dame hinterm Schalter meine Fracht. Bingo! Die nächste Etappe führte mich in die Innenstadt. Schon wieder so eine enge Zeitkiste, plus Baustelle unterwegs mit eingebautem Einbahnstraßenchaos. Ich drückte meinen Daumen auf die Schlüsselfernbedienung. Es ploppte, ich zog am Türgriff, er verweigerte sich. Zweiter Versuch. Plopp Plopp - an der Batterie lag’s nicht. Ein fester Zug am Griff: null Reaktion. Hatte sich der Gurt verklemmt? Ich starrte auf den Türspalt. Nichts zu sehen. Und dann traf mich (mal wieder) der Blitz: Hektisch schielte ich nach allen Seiten. Hatte mich jemand beobachtet? Mein Kopf explodierte und färbte das Gesicht wie der Saharastaub den Sonnenuntergang: Das hier war nicht mein Auto! Gleiche Farbe, falsches Fabrikat. Meins stand zwei Parkbuchten hinter mir und schaute beleidigt in die andere Richtung. 
Klares Statement: Der Junge braucht Urlaub. Dringend. Und - was für ein Glück: Ab Freitag ist es so weit. Alle nicht notwendigen Arbeiten werden eingestellt. Eingefroren. Auf April vertröstet. 
Und noch etwas: Angenommen, ich hätte aus lauter Frust den Türgriff abgerissen. Dazu getobt und geschrien. Dem Blech einen Tritt verpasst. Die Tür hätte sich trotzdem nicht geöffnet. Warum? Falsches Auto.

Jetzt den Bogen hin zu Gottes Fürsorge, Liebe und Hilfe zu schlagen, fällt in der Theorie nicht schwer:
Das falsche Auto wäre die verkehrte Richtung, in die wir unterwegs sind; der Frust entspräche dem „mit dem Kopf durch die Wand wollen“ und für die perfekte Lösung bliebe nur noch die Hinwendung zu Gott (der richtige Van) und schon öffneten sich alle Türen. Ja super.

Aber so einfach ist das nicht, auch wenn uns enthusiastische Menschen mit ihren simpel klingenden Aufforderungen solche Lösungsansätze anpreisen. Im Alltag wird unser Vertrauen herausgefordert und biegt sich unter dem Druck der Realität. Unsere Welt ist zu groß und zu weit für schnelle Lösungen. Oft werden Fragen nicht oder erst viel später beantwortet. Und: Gott ist nicht der Joker, den wir bei Gelegenheit ins Spiel werfen. 
Im Neuen Testament treffen wir auf Alltagstypen, die „on fire“ für Gott sind. Sie bekennen und leben und vertrauen, obwohl sie dadurch in Gefahr geraten. Sie werden verfolgt, verspottet, geschlagen; ihre Familien auseinandergerissen, sie sind auf der Flucht, bezeichnen sich selbst als Fremdlinge auf diesem Planeten. Wenn jemand vor dem falschen Auto stand, dann diese Helden. Warum glaubten sie dennoch weiter?
Weil ihr Glaube auf das Überzeugtsein von der Wirklichkeit der unsichtbaren Welt gebaut war. Nicht das Diesseits war ihr Maß aller Dinge, sondern die himmlische Welt. Gottes Reich. „Sie alle haben Gott bis zu ihrem Tod vertraut, obwohl das, was er ihnen zugesagt hat, dann noch nicht eingetroffen war.“*

Diese Frage verlangt tatsächlich nach einer Antwort; einer, die meinen Glauben auf den Kopf stellen kann: Glaube ich, weil ich von der unsichtbaren Welt überzeugt bin? Gottes Thron, der gute Hirte, Engelheerscharen, das Böse? Oder bin ich erst dann „gläubig“, wenn meine Wünsche in Erfüllung gehen und ich die wahr gewordenen Träume einem mir wohlgesonnenen Gott verdanke? 
Gott ging’s nie ums Wünscheerfüllen. Seine Liebe zu den Menschen besteht darin, dass er seinen Sohn auf diesen Planeten schickte, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Tja, und das hat schon wieder mit einem Blick hinter den Vorhang zu tun. Um Vertrauen, auch dann, wenn wir die Welt nicht mehr verstehen. 

*Neues Testament, Brief an die Hebräer, Kapitel 11 Vers 13