Sechs Jahre lebt er in einer Rolle, die ihn innerlich auffrisst. Verantwortung, Druck, Schlaflosigkeit, Panikattacken. Nach außen funktioniert alles – bis der Körper nicht mehr mitmacht.
Sechs Jahre lebt er in einer Rolle, die ihn innerlich auffrisst. Verantwortung, Druck, Schlaflosigkeit, Panikattacken. Nach außen funktioniert alles – bis der Körper nicht mehr mitmacht.
Ich bremse ab und verparke den letzten freien Parkplatz. Der Körper verlangt nach einer Pause, und das kleine Café am Straßenrand hat geöffnet. Drinnen riecht es nach starkem Kaffee und warmem Gebäck. Ich setze mich mit meinem Buch an einen Platz am Fenster.
Mit sieben Monaten beginnt für unsere Familie ein Weg, den man niemandem wünscht: Diagnose, Klinik, Operation. Ein Auge muss entfernt werden, um ihr Leben zu retten. Tage voller Angst, Warten, Hoffen.
Die Wand ist komplett verspiegelt. Ich sehe jeden Schweißtropfen, der mir von der Stirn läuft. Ich keuche und halte mich an den Armen vom Crosstrainer fest. Ich mag keine Spiegel. Nicht im Gym. Doch dieses Mal retten sie eine ältere Lady vor einem Fuß- oder Armbruch. Oder Schlimmerem.
Sie wächst in Ungarn auf – mit einem alkoholkranken, gewalttätigen Vater und einer manipulativen Mutter. Liebe gibt es nur unter Bedingungen. Sicherheit nie.
Nelli geht dorthin, wo viele lieber wegsehen: ins Rotlichtmilieu. Sie bringt keinen Ausstieg mit, keine Forderungen. Sie bringt Zeit, Würde und Gebet.
Sie sitzen an langen Tischen. Zu lange schon. Anzugjacken über Stuhllehnen, kalter Kaffee, Gesichter, die müde verhandeln. Wörter werden hin- und hergeschoben wie Spielsteine: Waffenruhe, Sicherheitsgarantien, rote Linien. Draußen fallen Bomben. Drinnen wird um jedes Komma gerungen.
Schon mit dreizehn weiß sie, wie ihre Zukunft aussehen soll: Diakonisse. Menschen helfen, Gott gehorsam sein, in Armut leben. Ihre Eltern können sie nicht davon abbringen.
Vier Kinder, ein Job mit Dauerpräsenz, Tagesmutter und Ehefrau... dazu noch der Sport, um nicht aus der Übung zu kommen. Irgendwann wurde es zu viel und das Hamsterrad im Kopf verselbständigte sich. Tabletten mussten helfen doch das ist keine Lösung. Zumindest keine langfristige.
Teil 1 (Ich habe mich gegen meinen Vater gestellt) gab's vor einer Woche. In Teil 2 erzählt Ella, wie ihre Geschichte weitergegangen ist. Mit dem Vater, dem Freund und dem Himmel. Plötzlich macht alles einen Sinn - selbst die Todesgefahr im Badesee und die dramatische Rettung.