Unten auf der Straße brüllt einer. Das klingt ganz und gar nicht nach Singsang und Gefeier. Eher nach Schmerz und Schläge. Mindestens.
Unten auf der Straße brüllt einer. Das klingt ganz und gar nicht nach Singsang und Gefeier. Eher nach Schmerz und Schläge. Mindestens.
In ihrer Krankenakte stand: "keine Chance!" Maßnahmen? Etwas gegen die Schmerzen. Lebenserwartung? Vier Jahre. Wenn überhaupt.
Wir hocken am Frankfurter Flughafen und warten darauf, bis sich endlich Gate 20 öffnet. Bis zum Boarding sind’s noch 45 Minuten.
Von Jungs hat sie keine Ahnung. Wenn, dann wird der Erste geheiratet. Und Kinder. Natürlich. Plus vorne in der Gemeinde singen. Im Chor. Nimmt sie sich vor.
Morgen ist unser Rückflug geplant. Aus dem Kühlschrank grüßt schon jetzt die Stille. Doch weil auch am Abreisetag die Erdbeermarmelade auf mein Frühstücksbrötchen gehört, drängt‘s mich noch einmal in die City. Gegenüber vom Kongresszentrum gibt es einen kleinen Supermercado. Und der hat den gewünschten Brotaufstrich.
Jahrzehnte ist es die "Mutter". "Mama". Da, wenn man sie braucht. Am Telefon, wenn's nötig ist. Natürlich gab's auch Zoff. Hin und wieder. Schnell beruhigt und "alles gut".
Sie kommt ins Schlafzimmer und findet ihren Mann. Er atmet nicht mehr, kann nicht wiederbelebt werden.
Sie ist jung und will helfen. Fliegt nach Brasilien zu den Straßenkindern und verschenkt alles was sie hat. Auch ihr Leben.
Er ist zwei Jahre alt und liebt das Singen. Hat mein Enkel einen neuen Song auf Lager, muss ich ihn anhören. Vergangene Woche war’s wieder so weit: Astrein intoniert mit kleinen altersbedingten Textverwaschungen versehen:„Beißet den Herrn, beißet den Herrn, beiiiiissseett den Herrn!“ Alles klar, wunderbar! Und wie.
Sie kann sich noch daran erinnern, wie ihr schlecht wurde. Dann kam die Nacht. Als sie wieder aufwacht, piepst und pfeift es im Raum. Vermummte Menschen in weiten Anzügen wehen durch das Zimmer. Sie ist verkabelt, hat Schmerzen und … sie hat keine Haare mehr.